Dienstag, 10. April 2018

Der Autor – Wer ist das und wenn ja, wie viele?

Dass das Verhältnis zwischen Autoren und Lesern bisweilen von Mythen geprägt ist, passiert. Beispielsweise weil nicht zwischen den in einem Buch handelnden, fiktiven, Figuren und dem Autor selbst unterschieden wird und eine Figur mit problematischen Einstellungen dazu genutzt wird, dem Autor selbige Einstellungen zu unterstellen.
Manchmal ist es aber auch der Autor selbst der einen Mythos fördert. Beispielsweise durch ein Pseudonym, das es so aussehen lässt, als gehöre der Autor zu einer anderen ethnischen Gruppe als er es tatsächlich tut.
Oder man geht davon aus, das Buch sei von einem Mann geschrieben worden, weil „Max Mustermann“ als Autor angegeben ist, während das Buch in Wirklichkeit von Sabine Musterfrau geschrieben wurde.
Und dann gibt es auch noch den Fall von Autoren, die mehrere Pseudonyme haben.
Gemeinhin wird das einfach hingenommen. Aber manchmal gibt es Fälle, die zu Empörung führen. Wie dieses Jahr der Fall von Santino Hassell.
Das hat in meinem Umfeld, insbesondere unter den mir bekannten Autoren, zu Diskussionen geführt, was noch in Ordnung ist und was schon nicht mehr geht.
Da ich mir ebenfalls Gedanken gemacht habe, soll es darum gehen, was wirklich nicht geht, d.h. auch mit dem Gesetz in Konflikt steht, was in meinen Augen kritisch zu sehen ist und wo ich kein Problem sehe.


Zum Fall Santino Hassell:

Der Autor gab sich selbst als bisexueller, alleinerziehender Vater aus, begann unter diesem Namen Liebschaften mit Fans und behauptete zudem, an Krebs zu leiden und startete eine Spendenkampagne. Offenbar alles Schwindel. Außerdem hat er offenbar intime Details aus dem Leben seiner Liebschaften in seinen Büchern verarbeitet. Ein Teil seiner Bücher wurde daraufhin von den Verlagen aus dem Sortiment genommen.

Was meint das Gesetz dazu.

Prinzipiell ist es einem Autor nicht verboten, ein Pseudonym zu nutzen. Auch ein geschlossenes Pseudonym, d.h. eines, bei dem außer dem Autor (und dem Verlag, der ja die echte Person dahinter bezahlen muss) niemand bekannt ist, wer wirklich hinter diesem Namen steckt, ist nicht verboten. Und wenn eine Frau einen Männernamen annimmt oder umgekehrt, kann man sich als Leser deshalb auch nicht beschweren, selbst wenn man das Buch nicht gekauft hätte, wenn man gewusst hätte, das jeweils andere Geschlecht vor sich zu haben. Würde man nun allerdings die Identität eines Prominenten annehmen, könnte das dazu führen, dass man Ärger bekommt, weil man einem anderen Menschen schadet und sich, je nachdem, auch unter Vorspiegelung falscher Tatsachen (einer scheinbaren Autobiographie zum Beispiel) bereichert. Ansonsten darf man, rein gesetzlich gesehen, auch bei der Autorenvita ungestraft flunkern. Nimmt man natürlich, wie im Falle von Santino Hassell, durch Vorspiegelung falscher Tatsachen Geld ein und behält dieses auch, erfüllt man damit den Straftatbestand des Betrugs und kann ordentlich Schwierigkeiten bekommen, wenn man auffliegt. Denn Betrug ist eben nicht nur unfein, sondern auch eine Straftat. Aber merke: Nicht alles, was moralisch verwerflich ist, ist auch ungesetzlich! Von daher ist das Gesetz allein da vielleicht nicht der einzige zählende Ratgeber.

Die Dos und Don'ts in meiner persönlichen Ansicht

Es gibt drölfzig Millionen Gründe, warum ein Autor seinen Namen nicht auf dem Cover seines Buches lesen möchte. Ein Polizist, der blutige Horrorsplatter schreibt, könnte damit seine Karriere ebenso gefährden, wie der Pfarrer, der Erotikromane schreibt. Aber auch ein sehr konservatives Lebensumfeld kann dazu führen, dass man lieber nicht möchte, dass bekannt wird, was man da schreibt. Das ist in meinen Augen auch vollkommen legitim. Jeder Mensch, auch jeder Kunstschaffende hat ein Recht auf Privatsphäre und darauf, dass er seine Geheimnisse für sich behalten darf.
Dann gibt es den Fall, dass der echte Name eines Autors Nachteile mit sich bringt. Eine Frau , die ScienceFiction schreibt, hat ebenso Nachteile wie ein Mann im Romance-Genre. Schwachfug, wenn man mich fragt, aber eben Schwachfug, der leider real ist. Und in diesem Fall sorgt ein Pseudonym, das auf das jeweils andere Geschlecht hindeutet oder eben geschlechtsneutral ist, dafür, die Startbedigungen für das eigene Buch anzugleichen. Auch das ist legitim.
Weiterhin sollte man bedenken, dass der Name des Autors eine Marke ist, wie jede andere Marke auch. Und eine Marke steht nun einmal für etwas Bestimmtes. Bedeutet, wer Stephen King auf einem Cover sieht, erwartet keine leichte Romanze.Aber auch ein Autor, der sein Genre gefunden hat, möchte einmal etwas ausprobieren, hat eine Idee, die nicht zu seinem bisherigen Image passt oder hat schlicht einen Verlag, der den Autor als Marke exklusiv haben will. In diesem Fall ist ein Pseudonym einfach die Möglichkeit, mehrere Vorlieben auszuleben. In meinen Augen ebenfalls völlig in Ordnung.
 Auch Neugierde ist für mich legitim. Zu sehen, wie die eigene Schreibe unter verschiedenen Namen ankommt, ist einfach ein Austesten des Marktes, ohne dass jemandem Nachteile entstehen, das ist ungefähr so normal wie das Schicken von Waschmittelproben, wenn was Neues auf den Markt kommt.

Während es für mich in Ordnung ist, Nachteile auszugleichen, sehe ich es kritisch, sich Vorteile zu erschwindeln. Gibt sich ein Autor, der beispielsweise über Japan schreibt, als Japaner aus, bedeutet dies zweierlei: Zum einen behauptet der Autor, Ahnung von dem zu haben, was er schreibt und vermittelt damit vielleicht ein vollkommen falsches Bild von Japan. Zum anderen verschafft sich der vermeintliche Japaner dadurch einen Vorteil, weil die Leser sich darauf verlassen, dass ein Japaner gut über Japan schreiben kann.
Gibt sich der Autor beispielsweise als Taucher, Fallschirmspringer oder Free-Climber aus und hat dann womöglich noch schlampig oder gar nicht recherchiert, kann das sogar Leser in Gefahr bringen, die den Informationen aus den entsprechenden Büchern vertrauen. Das geht in meinen Augen überhaupt nicht, denn auch wenn unsere Leser eigene Menschen mit eigenen Entscheidungen sind, haben wir als Autoren immer noch eine gewisse Verantwortung gegenüber den Botschaften und Informationen, die wir vermitteln.
Das Gleiche gilt für mich, wenn ein Autor sich ein ausländisch klingendes Pseudonym zulegt, um Ausländerfeindlichkeit hinter dem "Ich bin doch selbst Ausländer, also kann ich doch nicht fremdenfeindlich sein" zu verstecken. Geht gar nicht!
 Und während es völlig okay ist, wenn ein Protagonist in einem Buch problematische Ansichten hat, um damit zu arbeiten, darf sich ein Autor in meinen Augen nicht hinter einem Pseudonym verstecken, wenn er selbst problematische Inhalte verbreiten will.

Zusammengefasst halte ich es hier wie mit unseren Gesetzen: Die Freiheit des Autors, auch was Pseudonyme und Viten angeht, hört da auf, wo andere Menschen eingeschränkt werden.

Im Übrigen gilt das alles natürlich auch für Autorinnen, ich will hier niemanden diskriminieren und habe nur aufgrund der leichteren Lesbarkeit ausschließlich die männliche Form benutzt.


Sonntag, 18. März 2018

Die Sache mit dem Opfer für die Kunst

Immer wieder erlebe ich es, dass Kolleginnen und Kollegen mit dem schlechten Gewissen hadern, weil sie, aus welchen Gründen auch immer, dem Schreiben gerade weniger Priorität in ihrem Leben einräumen (können).
Bisweilen fragen sie sich dann: "Darf ich mich wirklich immer noch Schriftsteller nennen?" oder "Müsste ich nicht bereit sein, mehr zu geben?"
Und dann kommt immer wieder das Thema auf, dass Kunst Opfer fordert. Dass man kein richtiger Künstler ist, wenn man sie nicht bringt.

Unangenehme Wahrheit zuerst: Egal, wofür man sich entscheidet, man opfert damit alle anderen Möglichkeiten.

Das bedeutet, hat man sich entschieden, Zeit in das Schreiben zu stecken, hat man diese Zeit für andere Dinge nicht mehr. Hat man sich entschieden, etwas anderes zu tun, fehlt diese Zeit für das Schreiben. Mehr gibt es darüber eigentlich nicht zu wissen.

Und warum beende ich den Post jetzt nicht?
Wegen des "eigentlich".

Es gibt nirgends eine verbindliche Definition von wegen "Wenn so und so viele Stunden investiert werden, darf man sich Schriftsteller/Zeichner/Tänzer/Kampfkünstler/sonstige Wunschbezeichnung hier einfügen nennen". Das heißt, ihr bestimmt tatsächlich selbst, als was ihr euch seht. Dass es natürlich ein bisschen seltsam ist, sich Schriftsteller zu nennen, wenn man noch nicht einmal eine halbe Seite geschrieben hat, steht auf einem anderen Blatt.

Hat also gerade etwas anderes im Leben Priorität, macht einen das nicht weniger zum Schriftsteller.

Aber, ja, hier kommt das Aber, wenn ihr euch möglichst rasch verbessern wollt, gibt es nur eine Möglichkeit: Schreiben, schreiben, schreiben! Oder eben was auch immer das ist, was sich verbesssern soll. Und ja, das bedeutet, Opfer bringen zu müssen, auf andere Möglichkeiten zu verzichten und möglicherweise auch, dem einen oder anderen Menschen in eurem Umfeld vor den Kopf zu stoßen, weil ihr gerade keine Zeit habt, nicht jede Party mitmachen könnt oder ähnliche Absagen geben müsst.
Die Frage ist, ob das wirklich ein Opfer ist. Natürlich, manchmal hat man keine Lust zum Schreiben, der innere Schweinehund quengelt und will auf die Couch, das neue Computerspiel ist verlockend und irgendwo quengeln auch noch Menschen im Hintergrund. Aber ist es wirklich ein Opfer, wenn das Schreiben gut läuft? Auch andere Hobbies haben manchmal ihre Misttage. Und trotzdem bezeichnet man sie als Hobbies, weil man Spaß daran hat. Weil man manchmal sogar an den Misttagen Spaß haben kann. Nämlich zumindest daran, sie überwunden zu haben.

Ich für meinen Teil mag es überhaupt nicht, wenn wieder einmal das Bild des leidenden Künstlers als Ideal gebraucht wird. Natürlich treffen Künstler zugunsten der Kunst manchmal Entscheidungen, die ihnen finanzielle Nachteile einbringen. Und natürlich ist es nicht besonders erheiternd, schon zu Beginn des Monats rechnen zu müssen, dass man am Ende des Geldes nicht allzu viel Monat übrig hat. Aber die Frage ist eben auch immer, ob das zum einen wirklich so ein Opfer für den jeweiligen Autor ist und zum anderen sollte das nun wirklich nicht das Ideal sein, das man als Autor anstreben möchte, nur weil es angeblich ach so romantisch ist. Ich habe in meinem Leben schon Zeiten gehabt, wo ich gezwungen war, von sehr wenig Geld zu  leben. Romantisch fand ich das nicht, eher erschöpfend. Und ich bin absolut nicht der Meinung, dass ich bereit sein muss, mich in einem kleinen, kalten Zimmer von Dosenfutter zu ernähren, um behaupten zu dürfen, mich Autorin nennen zu dürfen. Ich liebe das Schreiben, gar keine Frage. Und ja, manchmal verfluche ich auch meinen Brotjob, wenn er mir Schreibzeit klaut, oder mich zwingt, zu halbwegs vernünftigen Zeiten schlafen zu gehen. Aber ich mag es auch, jeden Monat eine vorher bekannte Summe auf dem Konto zu haben und nein, das würde ich nicht opfern, selbst wenn ich wüsste, dass ich dann niemals über eine bestimmte Grenze des Könnens rauskommen würde. Ich bin nicht der Meinung, dass man für die Kunst leiden muss, auch wenn ich eine Ahnung habe, woher das Klischee des leidenden Künstlers kommt.

Zusammengefasst: 100% zu geben ist völlig in Ordnung, gehen aufgrund der Lebensumstände etc. gerade auch mal nur 50% ist auch das okay. Dauerhaft 200% zu geben, brennt einen zum einen aus, zum anderen ist das jenseits dessen was menschenmöglich ist, also weg mit diesem merkwürdigen Anspruchsdenken!

Dienstag, 13. März 2018

Wie viel kann/muss ein Autor von sich verlangen?

Sind wir einmal ehrlich, wir Autoren haben alle Kolleginnen und Kollegen, die wir mehr oder minder heimlich bewundern. Sei es für die schiere Masse dessen, was sie produzieren, sei es, weil sie trotz eines für uns völlig chaotisch anmutenden Lebens noch produzieren können oder auch für die Qualität die sie erreichen. Und wir alle stehen bisweilen da: „Ich will auch!“ Aber wie? Ist es wirklich Faulheit, die uns abhält? Oder mangelnde Bereitschaft, uns wirklich reinzuhängen? Was diese Bereitschaft angeht, werde ich in den nächsten Tagen auch noch einen Blogpost dazu verfassen. Aber nun zu „Was muss wirklich?“

Ich habe zum Beispiel für mich selbst festgestellt, dass mein literarischer Ausstoß sehr stark schwankt. Zu Beginn eines Jahres sieht es meistens ziemlich mau aus, dann steigt der Ausstoß langsam an, fällt im Frühsommer wieder ziemlich ab, erreicht im Sommer entweder einen Höhepunkt oder aber einen Tiefpunkt, das hängt immer ein bisschen vom Wetter und den äußeren Aktivitäten ab, steigt im Herbst wieder deutlich an und erreicht im Regelfall im November (siehe nanowrimo.org) seinen Höhepunkt.
Nun unterliegt aber auch der normale Jahreszyklus beim Schreiben auch noch weiteren Schwankungen. Ich kann und will nicht ausschließlich schreiben, sondern auch noch andere, mehr oder weniger kreative Hobbies ausleben, ich bin Vollzeit berufstätig und bin zumindest kein Vollzeit-Einsiedlerkrebs. Das heißt, es gibt Zeiten, da brütet mein Kopf andere Projekte aus, wälzt berufliche Herausforderungen oder ich verbringe einen großen Teil meiner Freizeit nicht zu Hause (für mich eine schreiberische Einschränkung, das muss aber nicht für alle so sein).
Diese nicht-zyklischen Schwankungen haben natürlich je nachdem mehr oder weniger Einfluss. Bin ich in einem schreiberischen Hoch, kann es sein, dass ich in sehr wenig Zeit trotzdem einen ordentlichen Output hinbekomme. In einem schreiberischen Tief kann ein einzelnes weiteres Kreativprojekt ausreichen, um meinen Ausstoß für einige Zeit auf Null zu setzen.

Prinzipiell sind diese Schwankungen ja auch nichts Schlechtes, immerhin sind wir Menschen, keine Roboter. Aber wenn wir weniger schwanken wollen, oder überhaupt mal von der Nulllinie wegkommen wollen, dann ist zunächst mal eines nötig: Ehrlichkeit zu sich selbst. Es gibt ein paar Fragen zu stellen und zu beantworten und ohne Ehrlichkeit mit uns selbst landen wir recht schnell im Tal der Frustration.

1. Habe ich eine Deadline?
Damit ist natürlich nicht nur die Verlagsdeadline gemeint, sondern auch eventuelle Deadlines, die uns das Leben setzt. Weiß ich zum Beispiel, dass ich im nächsten Jahr ins Ausland gehe, dann sollte ich meine Projekte vorher abschließen, damit ich nicht daran hängen bleibe, dass das Leben hämisch über meine Pläne lacht. 
Ist diese Frage mit Ja zu beantworten, dann hilft ein Zeitplan, den Ausstoß kurzfristig zu erhöhen, indem man im Zweifelsfall den inneren Schweinehund über den Haufen schreibt. Das lässt sich aber aus Gründen nicht immer und nicht für Ewigkeiten machen. Da gibt es nämlich noch ein paar andere Fragen
2. Bin ich gerade überhaupt voll belastbar?
Geben wir es zu, manchmal sind wir regelrecht brutal uns selbst gegenüber. Erkältet, zu wenig Schlaf, Stress auf der Arbeit aber wir prügeln uns abends noch vor die Tastatur und wundern uns, warum der innere Schweinehund auf einmal so groß ist, die Couch so verlockend und unsere Disziplin so gar nicht vorhanden. Manchmal wälzen wir Probleme, die unsere gesamte Hirnkapazität fressen. Und das ist okay, wenn das passiert. Wir sind immer noch keine Roboter und wir können nicht permanent 100% und mehr leisten. Es macht also wenig Sinn, zu versuchen, den Ausstoß massiv zu erhöhen, wenn gerade gar keine volle Belastbarkeit vorleigt.

3. Nimmt gerade irgend etwas meine Aufmerksamkeit ein?
Das können positive, wie negative Dinge sein. Ein großes Projekt bei einem anderen Hobby kann genauso eine Ausstoßbremse sein, wie Stress in der Beziehung oder eine prekäre Beschäftigungssituation. Auch wenn die Antwort auf diese Frage ja lautet, ist klar, warum es gerade nicht mit dem Ausstoß klappen will.


Konnte man wahrheitsgemäß feststellen, dass es gerade nichts gibt, was einen an einem höheren Ausstoß hindern würde, dann stellen sich weitere Fragen. Das fängt damit an, dass jeder Jeck anders ist und damit jemand vielleicht erst gründlich planen muss, jede einzelne Karte gezeichnet haben muss und überhaupt wissen muss, was der Cousin des Freundes des Nachbarn des Protagonisten vorgestern zu Mittag gehabt hat, bevor das erste Wort am Roman geschrieben werden kann. Dann heißt es: Hinsetzen und Hausaufgaben machen, ehe man daran gehen kann, den Ausstoß zu verbessern.
Jemand anders braucht stattdessen eher ein Prompt und neue Musik, um einfach drauflos arbeiten zu können. Na dann, ran an die entsprechenden Quellen.
Manchmal passt das aktuelle Projekt auch so überhaupt nicht zur Lebenssituation, dass das bremst.
Das soll euch jetzt keine Ausrede zu wildem Projekt-Hopping geben, auch wenn in meinen Augen eine halbe Seite hier und eine halbe Seite da immer noch mehr sind, als wochenlang frustriert gar nichts zu schreiben. 
Aber ein Liebesroman schreibt sich möglicherweise sehr schlecht, wenn man selbst gerade Liebeskummer hat. 
Manchmal hat vielleicht auch die Umgebung noch nicht gemerkt, wie ernst wir es mit dem Schreiben meinen. Dann hilft Reden. Das hilft übrigens auch dann wenn wir sonst das Gefühl haben, unsere Umgebung würde uns im Weg stehen.
Und als Letztes: Manchmal ist es auch okay, zu daddeln oder sich mti dem Partner zu unterhalten oder einfach nur auf der Couch zu fläzen. Das muss hin und wieder auch sein. Und wenn wir es wirklich genossen haben, gibt es keinen Grund, dann darüber zu schimpfen, dass wir nicht geschrieben haben. Alles haben geht nicht, in beide Richtungen nicht. Also warum nicht dafür sorgen, dass man sich wohlfühlt und diese Energie dann nutzen? Das wäre doch das ultimative Win-win oder?

Donnerstag, 20. Juli 2017

Fantasy und ihr Anspruch auf Realismus vs. Unsere Erwartungen

Beim Scrollen durch Facebook entdeckte ich eine Seite, die für die Charaktere aus Game of Thrones Schauspieler herausgesucht hat, die dem tatsächlichen Alter der Charaktere entsprechen, nämlich hier: http://thronesrealm.com/if-9-game-of-thrones-characters-were-played-by-actors-of-their-own-ages/
Reaktion einer Userin: Im Ernst??? Ich meine im Ernst???
Wer liest denn Kinderponos???
Ist das echt so???

Nun erst einmal die harte Wahrheit über die Serie: Ja, die Schauspieler sind älter als die Charaktere und ja, das Aussehen der Charaktere ist zum Teil sehr weichgespült gegenüber G.R.R. Martins Beschreibungen.

Als Autor stellt man nun schnell die Frage nach dem Warum.
Und eine Sache wurde für mich da sehr schnell offensichtlich.12 Jahre in unserer heutigen Welt und 12 Jahre in der sehr mittelalterlichen Welt von Game of Thrones ist ein großer Unterschied. 
In unserer heutigen Welt gilt man mit 12 noch als Kind und das in meinen Augen auch zurecht. Wenn man bedenkt, dass die Lebenserwartung zumindest in den Industrienationen irgendwo um die 80 Jahre herumgammelt, hat man mit 12 auch gerade mal etwas weniger als ein Sechstel seines Lebens gelebt. 
In einer mittelalterlichen Welt beträgt die Lebenserwartung für die Einfachen eher so um die 35 Jahre, womit man mit 12 bereits ein gutes Drittel seines Lebens gelebt hat und damit notgedrungen bereits als erwachsen gelten muss, weil es sonst mit der Reproduktion nicht rechtzeitig hinhaut.
Ich rechne euch das jetzt mal mit meinen eigenen Lebensdaten vor. Ich bin 26 und kinderlos, würde ich in einer mittelalterlichen Welt jetzt mit dem Kinderkriegen anfangen, könnte ich noch neun Kinder in die Welt setzen, wenn ich die durchschnittliche Lebenserwartung lebe und jedes Jahr ein Kind bekomme. Und wenn wir jetzt davon ausgehen, dass neun von zehn Kindern das Erwachsenenalter nicht erreichen, dann hat meine Familie ein kleines Problem. Nämlich die Tatsache, dass wir aussterben. Das sieht ein bisschen besser aus, wenn ich mit 13 oder 14 das erste Kind bekommen hätte, dann wären wir nämlich bei irgendwas um die 15 Kinder, selbst wenn es nicht jedes Jahr geklappt hätte.
Und nehmen wir jetzt einmal an, ich wäre ein Mann. Dann konnte ich mir zwar prinzipiell länger Zeit lassen, weil erstens keine biologische Uhr tickt und zweitens ich zumindest nicht das hohe Risiko habe, bei der Geburt eines Kindes zu sterben. Aber ich brauche auch eine Frau, die ich nicht schon in der ersten Schwangerschaft verliere. Also macht es durchaus Sinn, wenn ich die erste Frau verloren habe, eine möglichst junge Frau zu heiraten, um den Zeitverlust durch den Tod und das Trauerjahr wieder auszugleichen.
Man sieht also, die frühen Heiraten entsprangen nicht fragwürdigen Vorlieben der damaligen Männer sondern dem erbitterten Überlebenskampf, den im Übrigen nicht nur die Einfachen führten. Denn auch adelige Frauen starben im Kindbett. 
Und die Kinder damals wussten, was Sache war. Sie sahen ihre Geschwister an Krankheiten und Unfällen sterben, sie sahen Nachbarn sterben und gerade die Jüngsten einer Familie sahen oft auch die Eltern sterben und wurden von den älteren Geschwistern großgezogen. Solche Praktiken gab es übrigens noch bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ich kann hier sogar meine eigene Familie als Beispiel anführen: Die Mutter meines Großvaters starb 1918, als mein Großvater vier Jahre alt war und hinterließ sechs Kinder. Sein Vater heiratete erneut und die Frau war jünger, als die ältesten Kinder. Sie bekam ebenfalls sechs Kinder. Nun befinden wir uns hier schon in einer deutlich weiter fortgeschrittenen Gesundheitsversorgung, was mir mütterlicherseits eine riesige Verwandtschaft eingebracht hat. Aber der Gedanke der Absicherung durch die vielen Kinder war selbst zu dieser Zeit noch gegeben.

Nehmen wir jetzt also an, ich wäre ein Kind im Mittelalter. Ich weiß, wie schnell das Leben vorbei sein kann, ich habe vielleicht sogar jüngere Geschwister bereits sterben gesehen. Ich weiß, dass ich früh selbst Kinder haben muss, wenn ich in der Lage sein will, wenigstens einige von ihnen aufwachsen zu sehen und ich weiß auch, was zwischen Mann und Frau so passiert. Vielleicht nicht so direkt, aber ich bin mit dem lieben Vieh aufgewachsen und kenne den Zusammenhang zwischen den Aktivitäten dort und der Geburt von Tierbabys. Ich weiß also, was für mich ansteht. Ich arbeite von Sonennauf- bis Sonnenuntergang sehr hart. Kurz gesagt, ich bin schon lang kein Kind in dem Sinne mehr. Und das schlägt sich aller Wahrscheinlichkeit nach auch in meiner Erscheinung nieder.
Wenn wir uns einmal in Entwicklungsländern umsehen, dürfte auffallen, dass die Menschen dort häufig für ihr tatsächliches Alter zu alt aussehen.
Und damit haben wir auch den Grund, warum die Schauspieler teilweise doppelt so alt sind, wie die Figuren. Die Darstellerin, die auf der Seite beispielsweise als Altersentsprechung für Arya rausgesucht wurde, ist zwar niedlich, aber viel zu kindlich und zerbrechlich für  die Figur der Arya Stark. 

Die Menschen damals mögen durchaus den körperlichen Standards des entsprechenden Alters entsprochen haben, aber sie waren zwangsläufig geistig älter.
Und damit kommen wir zu einem kleinen Problem, das ich als Autorin habe. Siedle ich eine Geschichte in einem solchen Setting an, stehe ich vor der Frage, welchem Realismus ich folge. Folge ich dem unserer modernen, westlichen Welt und passe das Alter der Charaktere entsprechend an oder folge ich dem des Settings und setze mich der Gefahr aus, dass die Leser meine Charaktere viel zu jung finden, oder dass ein Roman gar als Kinderbuch eingestuft wird, der gar keines ist?
Wie handhabt ihr diese Zwickmühle? Postet das doch bitte in die Kommentare, es würde mich wirklich interessieren.

Dienstag, 18. April 2017

Alte Liebe rostet nicht

Nein, das wird kein kitschiges Geständnis, dass ich nun nur noch Liebesschnulzen schreiben will.
Ich habe auch das Wort zum Sonntag nicht vergessen, aber in den letzten Wochen ist schreibtechnisch hier einfach gar nichts passiert und ich hätte quasi jede Woche das Gleiche schreiben müssen, nämlich dass mein Privatleben gerade etwas turbulent ist und mir keine Zeit und Energie zum Schreiben übrig lässt. Und da ich nicht immer das Gleiche schreiben wollte, habe ich es gelassen.

Nun aber zum eigentlichen Post. Wer mich schon länger kennt, weiß dass ich schon seit etlichen Jahren eine große Faszination für die Kelten habe. Insbesondere Boudica hat es mir angetan. Fragt mich jetzt bitte nicht, warum, ich kann es nicht sagen, aber diese geschichtliche Persönlichkeit fasziniert mich. Ein Buch oder Film, in dem Boudica vorkommt, hat auf jeden Fall Chancen, von mir beachtet zu werden. Dazu kommt noch eine Schwäche für keltische Mythologie (einer der Gründe, warum man mich bisweilen auch unter dem Nickname Rhiannon antrifft).

Unlängst bin ich nun über ein Lied gestolpert, das ich gerade suchte. Boudica von Karliene
Und beim x-ten Mal Hören dieses Liedes tauchte sie wieder auf: Radha.
Radha ist die Protagonistin eines ziemlich ambitionierten Projekts, denn hier soll die Rebellion der Boudica in ein fantastisches Setting versetzt werden. Als Radha das erste Mal auftauchte und ihre Geschichte erzählen wollte, habe ich ihr erklärt, dass ich nicht die Zeit für den Recherche-Aufwand habe und außerdem nicht unbedingt die Richtige für solche Projekte bin. Radha war so freundlich, wieder in den Hintergrund zu treten, aber sie blieb. Und wann immer ich über neue Geschichten um Boudica stolpere, sagt auch Radha wieder Hallo.
Und jetzt, wo ich nicht aufhören kann, das Lied zu hören, ist Radha auch wieder sehr präsent. Und was soll ich sagen, ich wäre dieses Mal sogar geneigt, ihr eine Chance zu geben. Nicht sofort, aber ich habe ja Zeit, die Recherche zu betreiben und so nach und nach die sehr komplexe Geschichte umzusetzen. Ich denke, ich kann jetzt sicher gehen, dass Radha nicht einfach verschwindet, sie hat schließlich ganz brav einige Jahre lang auf ihre Chance gewartet.

Habt ihr auch solche Protagonisten? Wie lange warten sie schon? Und was hat euch bisher davon abgehalten, ihre Geschichten zu erzählen?

Montag, 27. Februar 2017

Jugendliche im Generationenkonflikt - insbesondere in Dystopien

Schlägt man eine x-beliebige Zeitung auf oder surft über Nachrichtenseiten, man wird ihm begegnen, dem Konflikt zwischen der aktuellen Jugendgeneration und ihren Vorgängern, auch wenn sich die Kritik an den Generationen Y und Z ein wenig anders darstellt, als die an den vorhergehenden. Gegeben hat es den Generationenkonflikt aber so gesehen schon immer. Die "Alten" hatten Probleme erzeugt, die die "Jungen" auslöffeln mussten, die "Jungen" machten wieder einmal alles anders als es ihre Erzeuger erwarteten und schon wurde in irgendeiner Form jene alte Klage aus Babylon wiederholt:
„Die heutige Jugend ist von Grund auf verdorben, sie ist böse, gottlos und faul. Sie wird niemals so sein wie die Jugend vorher, und es wird ihr niemals gelingen, unsere Kultur zu erhalten“ (Babylonische Tontafel von ca. 1000 v. Chr.)
Klingt das bekannt? Wahrscheinlich, weil jede Generation seit 3000 Jahren und mehr eine ähnliche Klage anstimmt. Nun aber zu den Fakten: Zivilisation haben wir irgendwie immer noch. Wir sind nicht mehr im alten Babylon aber da wir uns irgendwie immer noch vom Tier unterscheiden, müssen wir es also geschafft haben, Kultur zu erhalten.



Hat es die Jugendgeneration nun schon in der aktuellen Zeit schwer, gegen die geballte Verurteilung der älteren Generationen anzukommen, wie muss es dann erst Jugendlichen gehen, die sich in einem dystopischen Setting wiederfinden?



Nun, man muss in meinen Augen hier die verschiedenen dystopischen Settings auseinandernehmen.



Postapokalyptische Settings haben meistens gemeinsam, dass die bisherigen Gesellschaftsregeln radikal über den Haufen geworfen werden, egal ob wegen einer Zombieapokalypse, Krieg oder einem Virus, das die Weltbevölkerung dahinrafft. In diesem Setting haben Jugendliche sogar einen Vorteil. Sie können sich schneller darauf einstellen, das zu tun, was notwendig ist, zu überleben. Sie sind außerdem im Regelfall körperlich fitter und dementsprechend weniger anfällig dafür, Krankheiten oder Verletzungen sofort zum Opfer zu fallen. Außerdem sind Jugendliche noch weniger festgefahren in gesellschaftlichen Konstrunkten, was es ihnen einfacher macht, damit zurecht zu kommen, dass die Gesellschaft mit einem Schlag zusammenbricht. Von 1999 bis 2003, also noch vor der Zeit, in der Dystopien im Trend lagen, gab es die Fernsehserie "The Tribe" in der ein Virus alle Erwachsenen getötet hatte, es also den Jugendlichen oblag, eine neue Gesellschaft hochzuziehen.In dieser Serie bedeutete das, dass die Jugendlichen sehr schnell "erwachsen" wurden, eben auch, weil sie damit rechnen mussten, als Erwachsene schnell zu sterben und dementsprechend auch vor dem Problem der Fortpflanzung und dem Aufziehen des Nachwuchses etc. standen. Wie realistisch das Ganze war, darüber will ich hier nicht groß eingehen, es geht mir mehr darum, dass die Jugendlichen hier zwar natürlich den Vorteil ihres geringen Alters ausspielen konnten, mit eventuell überlebenden Erwachsenen aber sehr böse aneinandergerasselt wären, weil sie (natürlich zwangsläufig) die Gesellschaft einmal auf den Kopf gestellt haben.
In mancher Hinsicht hinterfragen gerade jüngere Jugendliche auch weniger. Das macht sie in postapokalyptischen Settings eigentlich zu den idealen Bewohnern. Sie verzweifeln nicht daran, dass die Welt, wie sie sie kannten, dahin ist (wenn sie die zuvor bestehende Ordnung überhaupt noch aktiv mitbekommen haben), sondern handeln. Der insbesondere bei Jugendlichen besonders stark vorhandene Wunsch danach, dazuzugehören, lässt die jungen Bewohner einer postapokalyptischen Welt in mancher Hinsicht wohl auch schneller abstumpfen. Die anderen tun es ja auch, also wird es schon richtig sein. Insbesondere wenn die ältere Generation resigniert und verzweifelt, kann das für die Jugendlichen, die sich von den Eltern abgrenzen wollen, genau der Grund sein, die Initiative zu ergreifen. Außerdem müssen sie ja auch noch idealerweise einige Jahrzehnte in dieser postapokalyptischen Welt überleben, also geben sie sich weniger Zeit für Nostalgie etc.

Ein weiteres Setting will ich jetzt mal „Politisches Setting“ nennen. Dieses zeichnet sich dadurch aus, dass in diesem Fall die Veränderungen durch politische Eingriffe erfolgt sind. Grund für diese Eingriffe mögen ebenfalls Naturkatastrophen oder Kriege gewesen sein, aber hier dreht es sich meistens nicht mehr „nur“ ums Überleben der Einzelnen. Das macht die Konflikte oft subtiler. Auch weil die Gesellschaft, in der diese jungen Menschen aufwachsen, formbarer scheint. Dass man in „The Tribe“ stirbt, wenn man ein bestimmtes Alter erreicht, oder aber dass man zum Zombie wird, wenn einen ein Zombie beißt, das ist ein unausweichliches Schicksal, daran lässt sich nicht rütteln. Dass man zur falschen Fraktion gehört, im falschen Distrikt geboren ist oder Ähnliches, daran kann man rütteln. Und wie ich schon schrieb, Jugendliche wollen sich von den Eltern abgrenzen, rütteln daher also ganz gerne mal an den Gesellschaftsstrukturen. Bewegungen wie die Punks oder die Hippies machten das ja auch in der ganz realen Welt vor. Politischen Settings ist aber im Allgemeinen auch gemein, dass die jeweiligen Regierungen bzw. sonstige gesellschaftliche Eliten sehr hart durchgreifen, wenn jemand aus der Reihe tanzt. Es besteht in solchen Settings grundsätzlich eine gewisse Angst vor dem, was passieren könnte, wenn jemand aus der Reihe tanzt. Egal, ob das in Panem der Fall sein mag, oder in meiner eigenen Dystopie „Innocence lost“, es besteht die Angst davor, dass Einzelne, die aus der Reihe tanzen, das gesamte Gesellschaftskonstrukt ins Wanken oder sogar zum Einstürzen bringen können.

Und wenn man diese Angst als Grundlage nimmt, ist klar, warum gerade in solchen Settings das Verhältnis der Jugendlichen zu der aktuellen Erwachsenengeneration so angespannt ist.
Jugendliche tanzen aus der Reihe, das ist ganz normal. Sie grenzen sich von ihren Eltern ab, sie versuchen, eigene Wege zu finden und ihnen versperrt normalerweise keine Festgefahrenheit auf bestimmte Sachverhalte den Weg. Außerdem wissen sie im Regelfall instinktiv, dass sie nicht Schuld sind, an der Misere, in die die vorhergehende Generation sie hineingeritten hat. Sie wissen, dass sie in mancher Hinsicht stärker sind, als die Erwachsenen. Ein Beispiel wäre in „Die Tribute von Panem“ das Verhalten von Katniss und ihrer Mutter. Die Mutter verfällt nach dem Tod des Vaters in Apathie, kümmert sich nicht mehr um ihre Kinder und zwingt ihre älteste Tochter dadurch in die Rolle der Ernährerin und Beschützerin, die Katniss erfüllen muss, weil sie sonst ihre kleine Schwester und ihr eigenes Leben verlieren wird. Der Überlebenswille der Jugendlichen ist meistens stärker als alles andere. Die Tribute in Panem wissen, dass die Spiele nur einer überleben kann und sie setzen alles dran, dass sie dieser Jemand sind. Erwachsene in der selben Arena würden vermutlich bisweilen über Selbstmord nachdenken, um zumindest halbwegs schmerzfrei zu sterben. Das sind Gedanken, die den Jugendlichen gar nicht erst kommen.
Was aber unweigerlich kommt, egal ob bei Katniss, bei den Jugendlichen in meiner eigenen Dystopie oder bei anderen Jugendlichen in Dystopien ist irgendwann ein anderes Gefühl: Wut. Sie finden sich in einer Gesellschaft wieder, die sie einschränkt, sie bedroht und die über sie verfügt und es wird ihnen gesagt, dass sie nichts tun können. Und es ist meist die Generation ihrer Eltern oder Großeltern, die diese Strukturen etabliert hat. Und der Elterngeneration können sie zumindest den Vorwurf machen, die Verhältnisse geduldet zu haben. Je nachdem wie existentiell die jeweilige Bedrohung ist, verstärkt das die Wut, denn die Jugendlichen in Panem und in der Welt meiner Dystopie können ihren Eltern wirklich den Vorwurf machen: „Ihr lasst zu, dass man uns tötet!“
Nun ist das zum einen ein Vorwurf, den man als Eltern wirklich nicht hören will, zum andern wissen wir, die wir uns mit Gesellschaft etc. beschäftigen, dass Menschen wirklich schon sehr abgestumpft sein müssen, dass sie es hinnehmen, dass ihre Kinder weggenommen und getötet werden. Und Kinder und Jugendliche haben im Regelfall recht feine Antennen. Sie spüren diese Abstumpfung der vorhergehenden Generation und diese macht ihnen nicht selten Angst und erzeugt den Gedanken: „So will ich auf keinen Fall enden!“ Das, kombiniert mit der vorher bereits erwähnten Wut und der Tatsache, dass Jugendliche, insbesondere jüngere Jugendliche noch ziemlich in den Kategorien „Schwarz“ und „Weiß“ denken, ist auch bereits das Gefahrenpotential, das viele Erwachsene in den Jugendlichen sehen. Jugendliche sind nicht selten eher bereit, extreme Mittel einzusetzen, um ihre Ziele zu erreichen, weil sie ihre Ziele für uneingeschränkt richtig halten. Das soll jetzt nicht heißen, dass es nicht auch genügend Erwachsene gäbe, die so denken, sonst würde es Organisationen wie den IS oder andere Terrorgruppen nicht geben. Aber es soll hier schließlich um die Jugendlichen gehen.
Jugendliche, die eine bestimmte Sache als die Ihre übernommen haben, sehen meistens großzügig über die Fehler der jeweiligen Anführer bzw. Ideologien hinweg. Dies erklärt zum Beispiel die weitverbreitete Existenz eines gewissen Porträts in Rot und Schwarz, in Jugendzimmern dieses Planeten. Bereits erraten, welches Porträt ich meine? Nein? Ein Tipp noch: Der Gesuchte trägt auf diesem Porträt eine Militärmütze mit Stern. Genau: Che Guevara. Nicht, dass dieser Herr eine wirklich weiße Weste hätte, aber er steht für Rebellion, in gewisser Weise für Freiheit und Gleichheit und das reicht schon, um ihn in den Jugendzimmern unsterblich zu machen. Ich will nun keinesfalls behaupten, dass alle Jugendlichen unkritisch wären. Aber so lange man selbst noch auf der Suche nach Falsch und Richtig ist, kann man bisweilen auch das Eine mit dem Anderen verwechseln. Das passiert auch begeisterten Erwachsenen, aber im Prozentsatz ist das die kleinere Gruppe.
Und nun kommen wir zu dem tatsächlichen Konflikt: Auf der einen Seite haben wir die Jugendlichen, noch unverbraucht, begeistert von eine bestimmten Idee, wütend auf das System und wild entschlossen, es anders zu machen, als ihre Eltern.
Auf der anderen Seite haben wir die Erwachsenen, desillusioniert, teilweise schon fast apathisch, eingeschossen auf das jeweilige System und erschrocken vor der Wut der Jugendlichen.
Da die meisten Erwachsenen recht schnell vergessen, dass sie diese Wut einmal selbst verspürt haben, ist klar, warum sie die Jugendlichen für fähig halten, entsetzliches Unrecht zu begehen.
Das wiederum kann den Konflikt noch zusätzlich befeuern, weil die Jugendlichen sich, zu Recht, als ungerecht behandelt empfinden und die Wut dadurch noch intensiviert wird. Man kann die Gefahr eines Teufelskreises aus diesem Absatz herauslesen.
Und wie meistens in einem Konflikt, in dem alle und keiner Recht haben, gibt es da auch keine einfache Lösung. In unserer Welt löst sich der Konflikt im Regelfall dadurch auf, dass Jugendliche nun einmal nicht ewig Jugendliche bleiben.
In einer Welt wie Panem, in der die Gesellschaft auf einem sehr viel wackeligeren Fundament errichtet wurde, ist es allerdings einfach möglich, dass der ursprüngliche Generationenkonflikt sich zu einem Konflikt zwischen verschiedenen Fraktionen ausweitet und die Gesellschaft tatsächlich sprengt. Kein Verlust, mag man jetzt sagen, aber es erklärt, warum so viele Menschen mehr Angst vor jugendlichen Unruhestiftern, als vor tatsächlichen Verbrechern zu haben scheinen.
Um den Generationenkonflikt wirklich erschöpfend zu behandeln, müsste man nun eigentlich auch noch auf die insbesondere männliche Neigung zu deviantem Verhalten etc. eingehen, aber das wäre ein Buch für sich und würde damit den Rahmen eines einzelnen Beitrags zur Blogparade wirklich sprengen. Von daher halte ich es weiterhin ein wenig oberflächlicher und versuche, einen Gesamtabriss zu geben.

Der Generationenkonflikt zeigt sich aber auch noch an etwas anderem, nämlich an den Bemühungen, die gezeigt werden, um die Gefahr, die von der jungen Generation auszugehen scheint, einzudämmen. Dies kann zum Beispiel die Tatsache sein, dass man hier in Deutschland erst mit 18 das Wahlrecht hat, jedoch durchaus auch schon deutlich jünger strafrechtlich belangt werden kann und auch schon früher steuerzahlender Arbeitnehmer sein kann, das können in verschiedenen Dystopien Arbeitslager, Bootcamps oder auch die Hungerspiele sein. Es kann aber auch die Tatsache sein, dass man mit Auswahlverfahren und Tests die Jugendlichen verschiedenen Fraktionen zuordnet, was ein ganz guter Trick ist, um zu verhindern, dass sie sich alle zusammenschließen. Denn da Gruppen nur dadurch Bestand haben, dass sie sich von anderen abgrenzen, lenkt man den Konflikt von dem zwischen den Generationen auf den gewollten Konflikt zwischen den Fraktionen um.
Und jetzt ist auch klar, warum Katniss oder andere jugendliche Anführer einer Rebellion eine solche Horrorvorstellung für totalitäre Regime sind. Rebellionen sind für solche Regime immer ärgerlich und gefährlich. Nun aber auch noch eine Jugendliche an der Spitze zu haben, mit der sich also auch die anderen Jugendlichen besser identifizieren können, heißt, dass es mehr Unterstützer gibt, die bereit sind, für ihre jeweiligen Ideale aufs Ganze zu gehen. Und selbst wenn diese Rebellion niedergeschlagen wird, wird man sie nicht ganz los, weil man die nächsten Jahre bis Jahrzehnte Menschen im Volk hat, die sich noch an ihre Teilnahme an der Rebellion erinnern werden und daraus möglicherweise auch Kraft schöpfen und diese Ideale weitergeben. Weitergeben an eine nächste Generation, der nicht mehr der Schreck über die Niederschlagung der Rebellion in den Knochen sitzt. Das ist für ein totalitäres Regime wirklich ein Albtraum. Und dann kommt noch dazu, dass totalitäre Regimes von guter Propaganda leben und überleben. Jugendliche aus dem Weg räumen zu müssen, ist aber denkbar schlechte Propaganda, zumal es auch die Gefahr birgt, dass die Erwachsenen doch noch einmal aus ihrer Lethargie erwachen und den Kampf aufnehmen, den sie um ihrer selbst Willen nicht mehr aufnehmen würden. Das ist für die jeweiligen Regimes dann im Regelfall der Todesstoß, selbst wenn die Regierung nicht sofort zusammenbricht, es hat weder in der Geschichte unseres Planeten, noch in den Dystopien, die ich so gelesen, bzw. davon gehört oder gesehen habe, Regimes gegeben, die sich davon jemals wieder vollständig erholt haben.
Mit diesem kurzen Abriss schließe ich auch, denn wie gesagt, mehr würde Bücher füllen und hat sie auch bereits gefüllt.

Was brachte mich nun dazu, diesen Artikel schreiben zu wollen? Nun, zum einen gehöre ich selbst zur so oft geschmähten Generation Y und bin damit wohl gerade in dem seltsamen Spannungsfeld, mich sowohl den Jugendlichen als auch den Erwachsenen zugehörig zu fühlen, weil ich noch nahe genug an den Jugendlichen dran, aber auch nicht mehr so weit von den Erwachsenen weg bin. Dies beeinflusst natürlich auch mein Schreiben. Und da ich mit Zombieapokalypsen und Weltuntergängen noch nie allzu viel anfangen konnte, wenden sich meine Dystopien dementsprechend eher den politischen Settings zu. Und da man über Dinge, die man selbst in gewisser Weise auch erlebt hat, am einfachsten schreiben kann, fließt der Generationenkonflikt geradezu zwangsläufig mit in mein Schreiben ein und da ich ihn in „Innocence lost“ in gewisser Weise bis zum Exzess ausgelotet habe, indem ich bestehende Tendenzen wirklich bis auf die Spitze getrieben habe, hatte ich nun einmal das Bedürfnis, auch darüber zu bloggen, wofür sich diese Blogparade geradezu anbot.Morgen findet ihr dann einen Artikel von Guddy Hoffmann über Rassismus im Rahmen der Blogparade. Und die Sammlung aller Artikel findet ihr bei Meara Finnegan, die das Ganze auch initiiert hat.

Montag, 2. Januar 2017

Rückblick 2016 und Ausblick auf 2017

Das war es also mit 2016. Ein turbulentes, bisweilen recht bösartiges Jahr.

Schreibtechnisch hat mich das Jahr definitiv weitergebracht, immerhin ist seit November 2016 mein Romandebüt Innocence lost erhältlich.
Aber ansonsten habe ich in dem Jahr, auch wenn ich nicht gezählt habe, wohl einen Negativrekord aufgestellt. Ich habe kaum was geschrieben. Fertig bekommen schon gar nichts. Aber gut, schlechte Jahre gibt es immer wieder mal. Und 2016 war ein Jahr in dem mir das Leben nicht selten quer kam und mich entweder aus Zeitgründen oder aus persönlichen Gründen am Schreiben gehindert hat.
Deshalb fielen auch die letzten beiden Wochenrückblicke aus. Ich hatte nichts geschrieben und war aus persönlichen Gründen auch nicht wirklich in der Lage was zu schreiben.

Fassen wir es einfach als ein Jahr zusammen, das Spaß an Achterbahnfahrten hatte. Und ein Jahr, dem ich nicht unbedingt nachtrauere.

Was steht nun 2017 an?

Veröffentlichungstechnisch wird 2017 den zweiten Teil meines Debüts erscheinen und wenn ich Glück habe, auch der Roman im Print.

Schreibtechnisch habe ich Folgendes vor:
- Die Töchter des Drachen: Mein pseudohistorischer Chinaroman in dem meine Kampfsportbegeisterung zum Ausdruck kommt. Ich habe den Roman im Dezember begonnen, er steckt also noch vollkommen in den Kinderschuhen, soll nach Möglichkeit aber fertig werden.

- Geboren, um zu leben: Ein Spin-off von Innocence lost. Der Roman ist mein erster Jugendroman und wie schon Innocence lost nicht ganz ohne zu schreiben. Ich würde ihn aber gerne möglichst schnell nach Innocence lost nachschieben können. Von daher soll dies der zweite Roman werden, der fertig wird.

Mehr erwarte ich gar nicht. 2017 ist das erste Jahr, das ich komplett als Arbeitnehmerin bestreiten werde, von daher erwarte ich nicht, da übermäßig produktiv zu sein.

Sonntag, 11. Dezember 2016

KW 49 2016 Das Wort zum Sonntag - Wenn einem das Leben dazwischenfunkt

Li Fang, ihr Vater war einst Soldat gewesen. In der Nachbarschaft wurde gemunkelt, er habe in der Armee des Kaisers sogar den Rang eines Offiziers inne gehabt. Doch das war vor dem Krieg gewesen. Er selbst behauptete, es seien Unterstellungen, aber die Gerüchte über seine Feigheit hielten sich hartnäckig. Man behauptete, Li Fang sei vor den heranrückenden Feinden geflohen, ohne den Versuch einer Gegenwehr. Hua wusste nicht, was wahr war, es interessierte sie auch nicht, denn selbst wenn es Unterstellungen waren, verachtete man ihren Vater dafür. Auf dem Heiratsmarkt war sein Wert deshalb stark gesunken und er hatte schließlich nur Huas Mutter gefunden. Li Dao-Ming war die vaterlos geborene Tochter einer Hure und damit war ihr weiterer Lebensweg vorgezeichnet gewesen. Nicht hübsch genug, um zur Konkubine werden zu können, hatte sie sich ihr Geld jahrelang damit verdient, für Männer die Beine breit zu machen. Die Heirat mit Huas Vater hatte sie kurzfristig aus ihrem Elend befreit. Doch dann hatte sie den Fehler gemacht, als erstes Kind eine Tochter zur Welt zu bringen. Einzig die Angst vor den Ahnen hatte Huas Eltern davon abgehalten, das Mädchen direkt nach der Geburt auszusetzen oder zu töten. Aber Hua spürte die Verachtung ihrer Eltern. Sie wusste, dass diese ihr die Schuld dafür gaben, immer noch so arm zu sein. Da Li Fang als Feigling kein Soldat mehr werden konnte, war er gezwungen, als Straßenverkäufer zu arbeiten. Tag für Tag schob er den schweren Karren mit Obst durch die Straßen, um die paar Münzen zu verdienen, die seiner Familie das Überleben sicherten. Bei ihrer Mutter war Hua sich nicht sicher, ob diese nicht von Zeit zu Zeit immer noch als Hure arbeitete, um den mageren Lohn von Li Fang aufzubessern.
Aus "Die Töchter des Drachen"

Diese Woche war schreibtechnisch ziemlich verhext. Ein schwerer Krankheitsfall in der Familie, Ärger an der Jobfront und meine Unfähigkeit zur Multilokalität haben mir diese Woche ordentlich Schreibzeit gefressen. Entweder Zeit oder Konzentration waren meistens im Eimer.

Aber was soll ich sagen, es ist fast Mitte Dezember eines für mich persönlich sehr harten Jahres, ich habe einen NaNo hinter mir und auch mir als Einsiedlerkrebs ist die Zeit mit meinen Freunden sehr wichtig. Also akzeptiere ich es einfach, dass diese Woche schreibtechnisch zu vergessen war und mache weiter. Es werden wieder bessere Wochen kommen, so wie überall bessere Zeiten kommen, wenn es zuerst hart war. Wichtig ist nicht, wie schnell es geht, sondern nur, dass es weitergeht!

Sonntag, 4. Dezember 2016

KW 48 2016 Wort zum Sonntag - NaNo-Ende, neuer Roman und Schwärmereien der Autorin


Hua selbst träumte davon, ebenfalls Kung-Fu lernen zu dürfen, seit sie ein kleines Kind war. Es war nicht einmal die Kampffähigkeit gewesen, die sie zunächst interessiert hatte. Als kleines Mädchen war sie davon beeindruckt gewesen, wie diee Mönche aus dem sanften, in sich ruhenden Wesen eine solche plötzliche Brachialgewalt an den Tag legen konnten. Und es hatte sie berührt, dass selbst riesige Gruppen der Mönche wirkten wie ein einziges Wesen. Jeder hatte seinen Platz darin, ohne zugleich etwas Besonderes zu sein. Später hatte sie Kung-Fu zusätzlich noch als nützlich angesehen. Es würde ihr die Möglichkeit geben, sich verteidigen zu können, so dies sein musste. Außerdem würde es sie von der Schande, als erstgeborenes Kind ein Mädchen zu sein, befreien. Denn sie spürte instinktiv, dass ihr Geschlecht im Kung-Fu keine Rolle spielte.
Während sie langsam, jede einzelne Bewegung betonend, eine Reihe von Techniken durchging, wanderten Huas Gedanken zurück, an jenen Tag vor neun Jahren, als sie den Mann getroffen hatte, dem sie diese Leidenschaft verdankte.
Aus: Die Töchter des Drachen

Die Woche begann mit den letzten Tagen des National Novel Writing Month. Zum ersten Mal seit 2010 habe ich den NaNo dieses Jahr nicht gewonnen. Aber dieses Jahr macht mir das auch nichts aus. Mir kam in mehrfacher Hinsicht das Leben dazwischen und ich muss mir nicht um jeden Preis etwas beweisen. Und mehr als 47.000 Wörter sind doch auch eine Leistung, mit der ich zufrieden bin, zumal es deutlich mehr war, als das ganze Jahr davor.

Seit dem 1. Dezember habe ich auch noch ein weiteres Projekt in der Mache, das zunächst einmal den Arbeitstitel "Die Töchter des Drachen" tragen wird und in einem fiktiven historischen China spielt. Der Textauszug stammt aus dem ersten Kapitel.
Die Handlung des Romans ist folgende:
Li Hua steht im Schatten ihres Bruders. Während er von wandernden Mönchen Kung-Fu erlernen darf, ist Hua ans Haus gefesselt und ihre Eltern erlauben ihr nicht, ebenfalls zu trainieren. So beobachtet sie heimlich das Training ihres Bruders und übt nächtelang. Dabei wird sie von Chongde entdeckt, einer der "Töchter des Drachen". Diese hat von Xiao Chen Straftraining aufgebrummt bekommen, weil sie im Training nachlässig war. In der Hoffnung, so wieder in der Gunst der Meisterin zu steigen, bringt Chongde Hua zu Xiao Chen. Diese erkennt, dass Hua Talent hat, weil sie trotz der Tatsache, dass sie nie Unterricht hatte, recht weit gekommen ist. Xiao Chen bietet Hua an, der Organisation beizutreten. Die "Töchter des Drachen" sind eine reine Frauengruppe, denen nachgesagt wird, dass sie die Gesellschaft verändern wollen. Das ist Hua eigentlich egal. Sie sieht in dieser Organisation eigentlich nur die Möglichkeit, sich endlich einen Platz zu erarbeiten, an dem sie nicht nur die Tochter ist, die durch ihre pure Existenz die Familie in Schwierigkeiten bringt.
In ihrem Bestreben, wirklich gut zu werden, trainiert sie erneut nächtelang. Und dabei belauscht sie zufällig einen Streit zwischen der Dame Jin und Xiao Chen. Die Dame Jin ist ungeduldig, will ihre "Armee" endlich einsetzen, Xiao Chen hält dagegen, dass die Mädchen noch nicht so weit sind. Hua versteht nicht wirklich, was hier vor sich geht, aber sie spürt, dass sich zwischen der Rebellenanführerin und ihrer besten Meisterin etwas anbahnt, das sie noch beeinflussen könnte.
Es dauert nicht allzu lang, dann zieht Xiao Chen sie ins Vertrauen. Die Dame Jin ist bereit, alle Mädchen zu opfern, um ihr Ziel, den Kaiser zu stürzen, zu erreichen. Xiao Chen will das nicht, sie glaubt daran, dass die Mädchen einfach noch ein bisschen mehr Zeit bräuchten. Xiao Chen möchte die Dame Jin herausfordern und ihr auf diese Weise die Mädchen mitnehmen.
Wie sich herausstellt, hat die Dame Jin als ehemalige Lieblingskonkubine des Kaisers eine persönliche Rechnung mit ihm offen und ist daher keiner Vernunft zugänglich. Xiao Chen ist unglücklich in die Dame Jin verliebt und möchte sie retten, weshalb sie bereit ist, alles aufs Spiel zu setzen.
Hua muss sich entscheiden. Sie hat nichts zu verlieren, aber alles zu gewinnen, wenn sie sich für die richtige Seite entscheidet. Sie ist sich unsicher, ob es nun sinnvoller wäre, den Versprechen der Dame Jin von schnellem, unsterblichem Ruhm zu folgen, oder dem wesentlich zurückhaltenderen Weg von Xiao Chen.
Schließlich eskaliert die Situation zwischen Xiao Chen und der Dame Jin und Erstere fordert letztere zum Duell. Die "Töchter des Drachen" trennen sich, einige Mädchen folgen der Dame Jin, die anderen bleiben bei Xiao Chen.
Und Hua wird auf einmal zum zentralen Konflikt zwischen den beiden, denn sowohl Die Dame Jin, als auch Xiao Chen bitten sie, bei ihr zu bleiben. Hua möchte sich nicht entscheiden, aber sie ist zu weit gegangen, als dass sie die "Töchter des Drachen" noch verlassen könnte. Sie kann sie nur noch vereinen, wenn sie es den beiden Frauen begreiflich machen kann, dass sie allein keine Chance haben.

Da ich mich mit fernöstlichen Kampfkünsten recht gut, mit dem alten China dafür umso weniger auskenne, wird da noch einiges an Recherche anfallen, aber ich bin guter Dinge, das hinzubekommen. Wenn ein Roman unbedingt geschrieben werden möchte, so wie dieser hier, dann klappt das auch, da sich Romane in diesem Fall dann meistens kooperativ zeigen.

Eine kleine Veränderung hier: Das Wort zum Sonntag

Nein, ich meine damit nichts Religiöses. Damit ist einfach nur ein wöchentlicher Beitrag gemeint, in dem ich alles festhalten werde, was mir für die jeweilige Woche als wichtig erscheint. Das Ganze habe ich vor, wenigstens ein Jahr lang zu führen. Zum einen, um mal eine Regelmäßigkeit in diesen Blog zu bekommen, zum anderen, weil es mich durchaus auch selbst interessiert, wie sich das Schreiben so entwickelt. Und nachdem mein erstes Baby, sprich mein erster Roman, seit fast einem Monat das Licht der Welt erblickt hat, ist das, glaube ich ein guter Zeitpunkt.

Innocence lost ist am 7. November 2016 im Verlag ohneohren erschienen und freut sich über interessierte Leser. So als kleine, schamlose Eigenwerbung am Rande.

Ich werde nun also jede Woche eine Zusammenfassung über mein Dasein als Autorin bloggen und sowohl gute, als auch schlechte Wochen wahrheitsgetreu auflisten.
Dazu wird es immer einen kleinen Auszug aus dem geben, was ich diese Woche so geschrieben habe, damit ihr euch ein Bild darüber machen könnt, was ich so fabriziere. Da ich eigentlich grundsätzlich mehrere Eisen im Feuer habe, denke ich, könnt ihr euch dann auch ein Bild von meinen Projekten machen.
Besondere Ereignisse innerhalb der jeweiligen Wochen finden in den Worten zum Sonntag ebenso ihren Platz, wie Gedankenspielereien, die nicht groß genug für einen eigenen Post sind.
Große Dinge finden natürlich ihren Platz in eigenen Posts, aber ich will meinen Blog nicht immer monatelang hungern lassen. Deshalb jetzt das Wort zum Sonntag.

Donnerstag, 9. Juni 2016

Wenn menschliche Werte zu etwas Besonderem werden

Vorneweg, ich stelle die beiden Themen, die ich in diesem Post anspreche, nicht auf eine Ebene. Das eine ist in meinen Augen ungleich schlimmer als das andere, aber es sind zwei Dinge, die mir in der letzten Zeit untergekommen sind, bei denen ich mich einmal wieder frage, ob menschliche Werte wie Ehrlichkeit und auch Mitgefühl und ja, verdammt nochmal, Menschlichkeit, mittlerweile sowas Besonderes sind, dass man ihre Einhaltung kenntlich machen muss und Menschen, die diese Werte noch besitzen, als Helden feiert.

Ich nehme an, dass die meisten von dem Urteil gegen den Vergewaltiger von Stanford gehört haben. Und damit auch von den beiden schwedischen Studenten, die Schlimmeres verhindert haben. Ich sage nicht, dass es nicht gut und mutig war, was sie getan haben. Aber ich habe ein bisschen ein Problem mit der Bezeichnung "Helden". Ein Held tut etwas Außergewöhnliches, das sonst kaum je ein Mensch tun würde. Und mir wird schlecht, wenn ich daran denke, dass die Bezeichnung "Helden" bei diesen Studenten bedeutet, dass sonst kaum je ein Mann einschreiten wüde, wenn er eine Vergewaltigung mitbekommt. Ich weigere mich, das zu glauben! So ein bisschen Glauben an die Menschheit habe ich noch. Und genau deshalb stört mich diese Bezeichnung auch so. Es ist ein Schlag ins Gesicht jedes Opfers, wenn es dankbar sein muss, dass jemand etwas beendet hat, das niemals hätte beginnen dürfen! Nochmal, ich will damit die beiden Studenten nicht schlecht machen, mich stört nur die Art, wie unsere Gesellschaft damit umgeht!

Das zweite, was mich stört, ist vom Schweregrad des Verbrechens weit geringer, aber auch hier wird sich gerühmt, wenn man es nicht macht. Ich spreche von dem Plagiatsskandal, der gerade den Buchmarkt erschüttert. Abgeschriebene Bücher wohin man schaut, wie es aussieht. Und schon erklären einige Autoren, dass sie das nicht tun, dass ihre Bücher Originale sind und so weiter. Ich verstehe, dass man sich gegen die Plagiate positionieren möchte, aber ich würde sagen, das ist auch wieder so eine Sache, die selbstverständlich sein sollte. Man klaut anderen nicht ihren Besitz und genauso wenig klaut man geistiges Eigentum.

Vielleicht habe ich hier eine Autorenkrankheit, die sich "Was wäre, wenn..." nennt, aber ich kann mir hier einige unschöne Konsequenzen denken, wenn man diese Gedanken weiterführt. Leben in einer Gesellschaft, in der man sich dafür bedanken muss, wenn mal jemand nicht nur an sich selbst und den eigenen Gewinn denkt, ohne dabei den Verlust eines anderen zu berücksichtigen, wenn jemand wenigstens die einfachsten menschlichen Regungen wie Mitgefühl zeigt, klingt für mich nicht sehr lebenswert.

Samstag, 23. April 2016

Wie kann der Autor es nur wagen, kreativ zu sein?!

Es könnte ja vielleicht sogar dafür sorgen, dass unsere Kinder kreativ sein könnten, das geht doch ganz und gar überhaupt nicht!

Ende des Sarkasmus.

Es gibt Zeitungsartikel, die liest man und muss anschließend den Kopf davon abhalten, sich in ein allzu stürmisches Redenzvous mit der Tischplatte zu stürzen. Vor ein paar Tagen passiert mit diesem hier. Warum sind Kinderbücher so grottenschlecht?

Nun würde ich mich nicht unbedingt als Kinderbuchautorin bezeichnen. Aber ich bin als Fantasy-Autorin mindestens genauso böse und wage es, mir Dinge auszudenken und die "Logik" außer Acht zu lassen.

Studienbedingt beschäftige ich mich gerade auch mal wieder mit den so genannten "youth studies" und erlebe auch da die im Dienste der Wissenschaft betriebene Kritik an Jugendszenen, die Jugendliche angeblich unkritisch und blind für deren Gefahren machen.

Zurück zu dem Artikel: Warum sind Kinderbücher so grottenschlecht?
Ja, ich gebe es zu, es gibt Angehörige meiner Zunft, bei denen es mir lieber wäre, sie wären es nicht, sondern hätten sich ein anderes Betätigungsfeld gesucht. Ich nehme an, diese gibt es auch bei den Kinderbüchern. Also wird es wohl auch tatsächlich grottenschlechte Kinderbücher geben. Ich habe keine Kinder, habe also schon seit Langem nichts mehr mit Kinderbüchern zu tun gehabt. Aber dass alle Kinderbücher schlecht sind, kann ich nun wirklich nicht behaupten. Und zumindest das in dem Artikel so arg verunglimpfte "Frederik" kenne ich. Und im Gegensatz zu dem Autor des Artikels habe ich die Aussage dieses Buchs/Theaterstücks schon als Kind verstanden. Natürlich kann man Frederiks Sammlung nicht aufessen. Aber das behauptet auch niemand. Und gerade in der heutigen Zeit, wo sich langsam wieder daran erinnert wird, dass Arbeit nicht der ganze Lebensinhalt sein kann, frage ich mich, wo Constantin Seibt stehen geblieben ist, um solche Sätze zu schreiben:  Niemand zahlt einen Preis, nicht einmal für Träumerei oder Aussenseitertum.
Dieser Satz hat mich wahnsinnig geärgert und tut es immer noch. Wenn wir als Kinderbuchautoren die Möglichkeit haben, Kindern zu helfen, die in ihrem alltäglichen Leben leiden, beispielsweise weil sie Außenseiter sind, haben wir irgendwo auch die Pflicht, genau das zu tun! Weil es das ist, was wir als Autoren tun können. Und wenn jemand mich fragt, welchen Preis ich bisher für Träumerei gezahlt habe. Hmm, ich hatte wahrscheinlich ein bunteres Leben, als gewisse scheinbar ziemlich verbitterte Journalisten. Gratisfreude, wie auf einem Drogentrip? Na ist doch prima! Bücher haben meines Wissens nach keine schädlichen Wirkungen, es sei denn man meint die auf die Dummheit und die Langeweile, aber will die wirklich jemand behalten? 
Und was Logik und Physik angeht, Himmel, sind wir Erwachsenen immer logisch? Außerdem hat auch ein quietschbunter Elefant eine Logik, nur ist es unwahrscheinlich, dass er real ist. Aber Logik und Realität sind zwei Paar Schuhe! Bei der Dramaturgie muss ich sowieso widersprechen, denn wäre ein Kinderbuch grundsätzlich aufgebaut wie ein klassisches Drama, dann würde ich mir wirklich Sorgen um die Zukunft der Menschheit zu machen beginnen.
Also hier mein Geständnis:
JA, ich träume! Immer noch und gerne auch quietschbunt und ohne mich darum zu kümmern, welche Logik dahinter steckt. Physik und ich waren schon in der Schule keine Freunde. Zählt es, dass Steine auch in meinen Träumen eher selten schweben?

JA, in meinen Romanen gibt es Dinge, die es nicht gibt, wie Drachen, Zauberer und Feen! Und NEIN, ich werde sie nicht streichen.

JA, ich investiere Zeit in Dinge, die mir wenig bis gar nichts an Geld einbringen! Nennt man meines Wissens nach Hobby.

NEIN, ich werde daran nichts ändern!

JA, ich fühle mich wohl, wie ich bin!

NEIN, ich bin weder bei den Esoterikern, noch bei den Verschwörungstheoretikern gelandet und ich kann auch mein Leben schön geordnet führen und in meinem Studium läuft alles auch.

 Also ganz offenbar bin ich durch die Bücher, die ich als Kind gelesen habe und ja, Frederik war dabei, nicht vollkommen verdorben worden.

Dienstag, 22. März 2016

Gedanken über das Schreiben angesichts der aktuellen Ereignisse

Brüssel. Istanbul. Ankara. Paris.
Wenn man aktuell in die Nachrichten schaut, wird einem bisweilen ganz anders. Anschläge, Tod, Hass auf beiden Seiten, Nachrichten, bei denen man dringend wegschalten möchte.
Und dann sitzt man als Dystopien-Autor oder insgesamt als Autor, der die menschlichen Abgründe verarbeitet, bisweilen da, starrt auf Bildschirme, auf denen unerwünschterweise die Abgründe, die man beschrieben hat, zum Leben erwachen. Und unwillkürlich fragt man sich dann: Darf man das? Darf man jetzt, wo sie unsere Welt ganz real und ganz in unserer Nähe erschüttern übder Bürgerkriege, über Terror und Fremdenhass schreiben?
Inspiriert zu diesem Artikel hat mich maßgeblich eine Autorenkollegin mit diesem Blogartikel.

Ich habe natürlich nicht die ultimative Wahrheit, aber was diese Frage angeht, beantworte ich sie ganz entschieden mit "JA!".
Wir Autoren dürfen das in meinen Augen nicht nur, wir müssen!
Natürlich ist es auch wichtig, dass man sich gelegentlich auch zur Erholung in ein Buch verkrümeln kann, in dem alles in Ordnung ist, oder zumindest alles in Ordnung kommt, aber diese Bücher ändern nichts. Und dann bleibt uns nur die Flucht nach vorn. Das heißt in diesem Fall: Darüber schreiben! Aufrütteln oder zumindest Verständnis wecken.
Und wir Autoren haben da einen entscheidenden Vorteil.
Wir müssen uns nicht mit existierenden (schwachsinnigen) Ideologien rumschlagen, die ein Verständnis teilweise deshalb zerstören, weil die Anhänger der Ideologie abblocken, bevor so etwas wie Verständnis überhaupt aufkommen kann.
Als Autor muss ich mir nicht unbedingt überlegen, wie ich nun vielleicht an islamophobe oder rassistische Mnschen rankommen könnte, da ich genauso gut auch über inexistente Völker schreiben kann. Möglicherweise rüttle ich damit aber den ein oder anderen Mitläufer auf. Zumindest habe ich als Autorin noch die Hoffnung.
Und so wie Karikaturisten nach den Anschlägen auf "Charlie Hebdo" weitergemacht haben, weil sie etwas zu sagen hatten, müssen auch wir Autoren weitermachen, selbst wenn wir Gegenwind bekommen oder gar als Nutznießer der Katatstrophen beschimpft werden.
Wenn wir aus Angst, möglicherweise die Überlebenden zu verletzen oder wiel wir glauben, nicht an solchen Geschichten rühren zu dürfen, aufhören, über diese Themen zu schreiben, haben wir den ersten Schritt gemacht, uns mundtot machen zu lassen. Und da es uns nicht gegeben ist, die Welt im Gesamten zu verändern, müssen wir eben versuchen, sie im Kleinen besser zu machen. Dadurch, dass wir aufrütteln, dass wir Mitleid erzeugen, dass wir zeigen, in welchen Abgründen sich Menschen wiederfinden.

Montag, 14. März 2016

Der Moment, in dem einem der eigene Realismus Angst macht

Zugegeben, als Autorin treibe ich mich gerne in menschlichen Abgründen herum. Aber selbst wenn ich Wert auf Realismus in meinen Werken lege, bleiben es fiktive Werke. Aber gestern Abend musste ich feststellen, dass ich manchmal lieber nicht so realistisch geschrieben hätte.
Wie so mancher andere auch habe ich die Wahlergebnisse mit einer ziemlichen Fassungslosigkeit verfolgt und mich gefragt, was um alles in der Welt mit der Gesellschaft, in der ich lebe, kaputt ist.
Da ich gerade mit dem Lektorat meines dystopischen Debüt-Romans beschäftigt bin, ist der natürlich sehr präsent in meinen Gedanken.
Und während ich am Sonntagabend noch fassungslos auf den Bildschirm starrte, ertönte in meinem Kopf ein Stimmchen, das fragte: "Ist bei der Gesellschaft des Romans etwas anderes kaputt, als in der realen Gesellschaft?"
 Und das führte dazu, dass ich am Sonntag das Lektorat weggelegt habe.
Weil ich die Frage mit "Nein" beantworten musste.
Auch in dieser Dystopie versuchen Menschen mit halbwegs anständigen Absichten etwas zu bewirken und sorgen dafür, dass die Gesellschaft arg in Mitleidenschaft gezogen wird.
Und das ist es, was mir Angst macht: Dass wohlmeinende, aber vom Status quo enttäuschte Menschen zu unkritisch sind und das Ganze zu einer Eskalation der Lage führt. Und ganz ehrlich: Diese Eskalation möchte ich nicht erleben!
Wenn ich oder auch andere, befreundete Autoren beim Lesen von Parteiprogrammen (ja, ich spiele auf die AfD an) Déjà-vu-Erlebnisse in Bezug auf ihre Dystopien haben, dann macht mir das Angst. Dystopien heißen ja nicht umsonst so.
Und so gerne ich auch Dystopien schreibe, erleben will ich sie wirklich nicht!
In diesem Roman habe ich Wert darauf gelegt, die Menschen nicht als Monster darzustellen, es sind Menschen, die im Großen und Ganzen nur das Beste wollen. Und deshalb bin ich gerade auch so betroffen. Feststellen zu müssen, dass freundliche, gebildete, hilfsbereite Menschen, kurz also Menschen, die man mögen möchte, sich als Mitglieder der AfD entpuppen, drängt einem den eigenen Roman mit dem Holzhammer auf. Wahrscheinlich habe ich gerade auch deshalb solche Angst, obwohl ich nicht der Mensch bin, der zu Zukunftsängsten neigt.
Aber ich gehöre in beiden, von mir ausgeübten Tätigkeiten, Gruppen an, die darauf angewiesen sind, sagen zu dürfen, was sie sagen wollen. Ich muss als Studentin der Sozialen Arbeit und dieses Jahr hoffentlich auch staatlich anerkannte Sozialarbeiterin auf Missstände aufmerksam machen dürfen, ebenso wie ich als Autorin einpacken kann, wenn gewisse Strömungen die Oberhand gewinnen.
In beiden Berufen bin ich auf unsere freiheitliche Gesellschaft angewiesen und auch als Person möchte ich sie behalten. Von daher hoffe ich, dass es bei einem Warnschuss und unangenehmen Déjà-vus bleibt!

Samstag, 20. Februar 2016

10 Dinge, die Flüchtlinge (in Deutschland) nicht müssen

1. Sich beschimpfen lassen, insbesondere nicht von einem braunen Mob, dem sie nie etwas getan haben.

2. Zulassen, dass man ihren Kindern Angst macht. Und ja, selbst wenn sie kein Deutsch können, Kinder verstehen, was gemeint ist, wenn man sie aufs Aggressivste anbrüllt.

3. Einschränkungen ihrer Würde akzeptieren. Dies gilt insbesondere bei Zuständen wie tagelangem Warten in der Kälte oder Polizeigewalt, bei der man die Polizei mal schnell aus dem Wort streichen muss.

4. Sich rechtfertigen, warum sie vor einem Krieg geflüchtet sind. Ernsthaft?! Warum werden sie das wohl getan haben?

5. Dankbar sein, dass sie bleiben dürfen. Hallo? Humanität? Schengen? Solidargemeinschaft? Muss ich wirklich weitermachen?

6. Für ihr Land kämpfen, anstatt zu fliehen. Sie haben sich ihre Herkunft so wenig ausgesucht, wie wir uns die Unsere verdient haben!

7. Beschimpfungen klaglos akzeptieren, ohne zurückzuschimpfen.

8. Jeglichen Zorn schlucken, damit sie immer freundlich sind.

9. Ihre Traumata an der Landesgrenze lassen, dass sie bitte pflegeleicht sind. Das sind Menschen! Menschen, die zum Teil Furchtbares erlebt haben. Wie gewisse Pöbler in der Situation reagieren würden, würde mich schon hin und wieder interessieren.

10. Schon Deutsch können, bevor sie kommen. Flüchtlinge sind, wie der Name schon sagt, vor irgendetwas Dringendem geflohen. Aber natürlich hätten sie das auch noch ein paar Jahre später tun können, wenn sie die ach so leicht zu lernende Sprache schon kennen.

Eigentlich müssen sie in Deutschland genau eine Sache:
Sich an unsere Gesetze halten.
Aber wenn ich ehrlich bin, habe ich in letzter Zeit weniger von Straftaten von Flüchtlingen, sondern vielmehr von Straftaten von der rechten Seite der Gesellschaft mitbekommen. Von daher mache ich mir da weniger Sorgen, als bei gewissen "besorgten Bürgern", die Sorge offenbar mit Hass gleichsetzen.

Sonntag, 31. Januar 2016

Selbstverteidigung für die Heldin - Ein paar Beispiele

Natürlich können diese Tipps auch für Helden genutzt werden, nur ist in der Literatur die Frau meistens in der unterlegenen Position und die Biologie hat uns Frauen in mancher Hinsicht da leider auch ein bisschen benachteiligt. Im Übrigen hoffe ich natürlich, dass ihr, liebe Leserinnen und Leser, niemals in die Situation kommt, ein solches Wissen selbst zu brauchen, aber wenn doch, funktionieren diese Tipps natürlich auch für den vollkommen realen Menschen dieser Welt.

Bevor ich nun aber weiter fortfahre ein paar kleine Anmerkungen vorneweg:
Nein, ich bin keine Trainerin für Selbstverteidigung, ich kann keine Zertifikate oder Ähnliches vorweisen, aber ich beschäftige mich mittlerweile seit über einem Jahrzehnt mit Kampfsport und habe da so einige Erfahrungen auch in Bezug auf Selbstverteidigung gesammelt. Trotzdem erhebt diese Sammlung weder Anspruch auf Vollständigkeit (darüber könnte man mehr als nur ein Buch schreiben), noch auf perfekte Anwendbarkeit in allen Situationen, die ich schlicht nicht liefern kann.
Aber alles das, was ich hier schreibe hat einen Praxistest hinter sich und ich kann zumindest sagen, dass es bei mir funktioniert hat.

Weiterhin beschränke ich mich hier auf universal anwendbare Dinge, wo es mir als Autor egal sein kann, ob meine Heldin in der Steinzeit, im Mittelalter, im Weltraum oder in der Postapokalypse herumläuft.

Fangen wir mit den "harmloseren" Dingen an und steigern bis zu wirklich lebensbedrohlichen Situationen.

1. (Betrunkener) Typ legt einem den Arm um die Schultern
Blöde Situation. Zum einen ist noch nicht wirklich was passiert, was eine körperliche Reaktion selbst nach der Aufforderung, das bitte sein zu lassen, rechtfertigen würde (das gibt je nach Richter sogar noch Ärger für das Opfer), zum anderen möchte man es aber auch nicht so weit kommen lassen, dass etwas passiert und der Mann wäre in der Situation recht schnell in der Lage unangenehmer zu werden.
Was also tun?
Die erste Reaktion ist denkbar einfach: Den eigenen, dem Typen zugewandten Arm locker auf den Arm des anderen legen. Tut der Mann dann irgendetwas, bei dem man das Gefühl haben muss, die Situation wechselt von lästig zu gefährlich, ist der Arm schnell gestreckt und die eigene Hand landet unwillkürlich und je nach Schnelligkeit des Streckens auch ziemlich schmerzhaft, im Gesicht des Mannes. Wenn das nicht reicht, um ihn davon zu überzeugen, dass man wirklich kein Interesse daran hat, einen Drink mit ihm zu nehmen oder ähnliches, sind so die Finger auch sehr schnell in Reichweite von Augen und Nase und ein Stich in die Richtung wird für den anderen unangenehm sein.
Für eine Frau, die in dem Fall rechtliche Konsequenzen fürchten muss, hat das Ganze noch einen weiteren Vorteil. Der gestreckte Arm könnte ja auch einfach eine Schreckreaktion gewesen sein. Und Erschrecken dürfte auch bei den strengsten Regimen der Literatur nicht unbedingt mit Strafen geahndet werden.

2. Man wird von hinten gepackt
Selbst wenn das von Bekannten spaßig gemeint ist, kann das ein verdammt doofes Gefühl sein, wenn man von hinten umklammert wird.Ist das Ganze nicht spaßig gemeint, ist die Situation so noch sehr viel bedrohlicher, erstens sieht man seinen Angreifer so nicht, zweitens wirken Umklammerungen grundsätzlich bedrohlich.
Wobei es, vor allem wenn der Angreifer nicht damit rechnet, dass das Opfer sich wehrt, eine recht einfache Möglichkeit gibt, aus der Umklammerung zu entkommen, oder diese zumindest zu lockern. Dabei hat man die Schwerkraft als Verbündeten.
Man geht quasi in die Hocke. Aber nicht langsam, wie man das normalerweise täte, sondern in einer kurzen, explosiven Bewegung, so als wolle man seinen Oberkörper zum Boden hin beschleunigen.
Man rutscht so quasi unter den Armen der Angreifers durch und nutzt die Tatsache, dass man im Regelfall über Schultern und Brustkorb, also der breitesten Stelle des Oberköpers gepackt wird.

3. Man wird gegen die Wand gedrückt
Dies kann in unterschiedlichen Situationen geschehen, hat aber grundsätzlich erst einmal die gleiche Absicht: Das Opfer bewegungsunfähig zu machen.
Das berühmte "Knie zwischen die Beine" ist zwar effektiv, wenn es trifft, aber genau da ist auch das Problem: Diese Abwehr ist so bekannt, dass der Angreifer damit rechnen wird, dass Frau das versucht und das Knie ist leicht abzuwehren.
Allerdings ist weder Angreifer noch Opfer im Regelfall bekannt, dass man auch noch eine fünfte Extremität hät, selbst wenn die Arme in der einen oder anderen Haltung gegen die Wand gedrückt oder sonstwie festgehalten werden. Die fünfte Extremität ist in diesem Fall der Kopf. Die Stirnplatte ist einer der stabilsten Knochen, die der menschliche Körper so hat. Nicht gesund für den Angreifer, wenn man damit dessen Nase trifft.  Je näher einem der Angreifer ist, also insbesondere bei versuchten Vergewaltigungen in dieser Haltung, je schmerzhafter kann man mit dem Kopf zuschlagen. Außerdem besteht auch die Möglichkeit, zu beißen, was bei Nase, Lippen, Zunge oder Ohren des Angreifers besonders schmerzhaft ist und im Regelfall dazu führt, dass der Angreifer zumindest kurz loslässt.
Das lässt sich übrigens auch im Liegen anwenden, wenn der Angreifer dumm genug ist, in Kopfstoßreichweite zu kommen.

4. Ein Schwert/Messer/sonstige Schnittwaffe wird einem von hinten an die Kehle gehalten
Ein Schwert oder ein sehr langes Messer ist dabei die Waffe, die am ungeschicktesten für den Angreifer ist. In diesem Falle greift man zunächst außen an den Griff die Waffe, also hinter der Hand des Angreifers. Damit hat man selbst den besseren Hebel und kann die Waffe vom eigenen Hals wegdrücken, im Falle eines Schwertes sogar durch den entsprechenden Ruck so, dass sie in der Schulter des Angreifers landet. Selbst wenn man dem Angreifer körperlich deutlich unterlegen ist, wird man diesen Hebel anwenden können, weil die Hebelverhältnisse da sehr viel ausgleichen.
Dann erfolgt ein kräftiger Kopfstoß nach hinten, der im Regelfall wieder im Gesicht des Angreifers landen wird.
Im Falle eines Messers oder einer ähnlichen kurzen Waffe greift man fest nach dem Handgelenk des Angreifers, ehe man ebenfalls einen Kopfstoß ausführt. Dies verhindert ein instinktives Zudrücken mit dem Messer.
Das funktioniert im Übrigen auch dann, wenn der Angreifer einen hochgehoben hat. Man muss nur darauf gefasst sein, dann eventuell fallen gelassen zu werden.

Was weiterhin wahrscheinlich noch interessant zu wissen ist, ist die Tatsache, dass Gelenkstellen immer Schwachstellen sind, also zum Beispiel ein Tritt in die Kniekehle auch einen körperlich deutlich Überlegenen ins Trudeln bringt.

Dienstag, 5. Januar 2016

Aus aktuellem Anlass: Nebenschauplätze sind NICHT hilfreich!

Was in der Silvesternacht in Köln und offenbar auch in anderen deutschen Städten passiert ist, dürfte mittlerweile so ziemlich jeder mitbekommen haben.
Und Köln ist nicht sonderlich weit weg von dort, wo ich studiere. Ich bin eine junge Frau, die gelegentlich alleine unterwegs ist und dementsprechend hat mich der Vorfall in Köln natürlich geschockt und als jemand, der seine Freiheit schätzt und jegliche Tätlichkeiten in diese Richtung scharf verurteilt, auch verärgert.
Aber nicht nur wegen des Vorfalls oder vielmehr der Vorfälle insgesamt, wegen. Es kann nicht sein, dass negative Vorfälle dazu führen, dass die Presse scheinbar wahllos auf irgendwen einschlägt! Ja, auch Journalisten sind Menschen und ich gestehe jedem, insbesondere jeder Journalistin zu, dass dieses Geschehen sie verärgert. Aber es ist reichlich wenig zielführend, dann auf Feministinnen, Linke oder sonstige Bevölkerungsgruppen einzuschlagen, weil sie, aus welchem Grund auch immer, schweigen. Das verlagert nämlich die Aufmerksamkeit irgendwohin, wo sie nicht hingehört, weil das in diesem Moment gar nicht das eigentliche Problem ist.
 Was in der Silvesternacht in Köln oder in anderen Städten geschahen, sind zunächst einmal Straftaten von heftigem Ausmaß und Täter, die scheinbar überhaupt keine Angst vor der Polizei oder auch dem Ärger der Gesellschaft haben.
Betrunken und offenbar aggressiv vorgehende Männer haben Frauen in die Enge getrieben und sexuell belästigt und ausgeraubt. Das ist das, was wir bisher wirklich wissen. Wenn die Polizei von "nordafrikanischem Aussehen" der Täter spricht, ist das ungefähr genau so zu werten, wie wenn sie bei der Fahnung nach einer Unfallflucht von einem weißen VW spricht. Es ist ein Merkmal des Tatverdächtigen und darf damit nicht aus falch verstandener PC zensiert werden. Es spielt jedoch keine Rolle, ob die Männer als Flüchtlinge oder sonst wie nach Deutschland kamen. Fakt ist lediglich, sie sind da, haben Straftaten begangen und müssen nun die Konsequenzen zu spüren bekommen, die ein solches Verhalten in Deutschland nun einmal nach sich zieht, egal wo sie nun wirklich herkommen.
Aber so wenig wie jemand bei einer Unfallflucht eines weißen VWs auf die Idee kommen würde, sämtliche VW-Fahrer als potentiell verkehrsgefährdend einzuschätzen, sollten wir das bei Menschen aus muslimisch geprägten Ländern tun. Menschen sind grundsätzlich in der Lage, ziemlich ungeheuerliche Dinge zu tun. Wer es unbedingt bewiesen haben möchte, recherchiere einmal über die Scheußlichkeiten, die die Römer, die Kreuzfahrer, die Conquistadoren und das Nazi-Regime so alles ausgebrütet haben. Vorausgesetzt, euch wird dabei nicht auf halbem Wege schlecht. Das waren jetzt übrigens alles Europäer! Unterschiedlicher Epochen zwar, aber ich bin bewusst in Europa geblieben.
Diskussionen, die versuchen, das Geschehen von dem eigentlichen Problem, nämlich dass so etwas in einem Land wie Deutschland gar nicht passieren dürfte, abzulenken sind also wenig nutzbringend, denn an der Fähigkeit des Menschen, seinen Mitmenschen Unaussprechliches anzutun, wird sich dadurch wenig ändern. Aber Bevölkerungsgruppen, die nichts getan haben und an den Vorfällen keine Schuld tragen, anzugreifen und sei es "nur" in der Presse ist für mich keine Meinungsfreiheit, sondern Wutbürgertum im Gewand des seriösen Journalismus. Und mal ehrlich, muss das sein?
Meinungsfreiheit ist in Deutschland noch gar nicht so lange gegeben. Muss man das wirklich so mit Füßen treten, indem man Wutbürgertum zur Meinungsbildung einsetzt und gewissen Strömungen, die sich genau dessen bedienen, die Türen öffnet?

Freitag, 30. Oktober 2015

Schwertkampfvorführungen auf einer Tagung und der literarische Anspruch der Fantasy

Wer mich kennt, weiß, dass ich auch noch ein paar Hobbies außerhalb des Schreibens pflege. Und eine ganz große Leidenschaft ist die Kampfkunst und dabei allem voran der mittelalterliche Schwertkampf.
Und dieses Hobby war es letzten Endes, das mich Anfang Oktober auf eine wissenschaftliche Tagung führte.

Genauer gesagt handelte es sich dabei um die Tagung "Winter is coming - kulturwissenschaftliche Perspektiven auf George R.R. Martins A Song of Ice and Fire/GoT" der Ludwig-Maximilians-Universität in München, die vom 9. bis zum 11. Oktober auf der Blutenburg in München stattfand.

Nun bin ich ja weder Literatur- noch Kulturwissenschaftlerin, sondern die Fakultät, an der ich studiere, sind die Sozialwissenschaften. Rein aus der wissenschaftlichen Perspektive heraus wäre ich also wahrscheinlich fehl am Platze gewesen. Aber da mein Trainer Germanist und Philosoph ist und zufällig eben auch Fechter, ergab es sich, dass er als Referent eingeladen wurde und meine Wenigkeit und ein weiterer Fechter aus meiner Trainingsgruppe als "Anschauungsmaterial" fungierten.
Nun mag man sich vielleicht tatsächlich auf den ersten Blick fragen, was eine Schwertkampfvorführung auf einer Tagung, die sich mit einem literarischen Werk beschäftigt, zu suchen hat. Und ich bin es gewohnt, dass unsere Gruppe merkwürdig beäugt wird, wenn wir trainieren. Ja, es ist sogar schon so weit gekommen, dass jemand die Polizei gerufen hat, weil "ein Irrer mit Schwert" auf dem Uni-Campus herumläuft.
Ich war also geistig dagegen gewappnet, als fachfremder Freak von den Tagungsteilnehmern nicht besonders ernstgenommen zu werden - und habe mich komplett getäuscht.
Meine Antworten bei der an den Vortrag folgenden Diskussion wurden genauso aufgenommen wie die meines Trainers und ich hatte nicht den Eindruck, dass jemand mich nicht ernstnahm. Ich muss mich also definitiv bei den vermeintlichen "Elfenbeinturmbewohnern" entschuldigen, da hatte ich Vorurteile, nicht anders herum!
Aufgrund von Hotelchaos und gesundheitlichen Problemen war es unserer Gruppe leider nicht möglich, viel von der Tagung mitzubekommen, aber das, was ich mitbekommen habe, straft definitiv einiges von dem Lüge, was in dem Artikel der Süddeutschen Zeitung über die Tagung geschrieben wurde.

Zitat aus dem Artikel: "Nicht nur, weil im Tagungssaal eine Ritterrüstung in der Ecke wacht und die Wände mit der Heraldik aus der Serie verziert sind, drängt sich der Eindruck auf, dass nicht alle Teilnehmer den kritischen Abstand zur Fiktion bewahren. Immerhin ist niemand als Ritter oder Ork verkleidet."
Also ich kann nicht behaupten, dass die Vorträge, die ich gehört habe, unkritisch gewesen wären. Lobeshymnen von fanatischen Fans hören sich anders an! Und ich, die ich aus den Sozialwissenschaften komme, wo die persönliche Verbundenheit dem Thema gegenüber geradezu vorausgesetzt wird, verstehe nicht, was das Problem daran sein sollte, wenn sich die Wissenschaftler auch auf privater Ebene für das Thema begeistern.
Aufschluss hierüber gibt auch die Überschrift des Artikels "Drachen und Zombies - streng wissenschaftlich". Hätte Herr Freund von der Süddeutschen Zeitung ein Fragezeichen an das Ende der Überrschrift gesetzt, wäre damit bereits der Inhalt des Artikels mehr oder minder zusammengefasst gewesen. Die Phantastik wird hier wieder einmal in die Ecke des Eskapismus und der Unterhaltungsliteratur für Jugendliche gedrängt.

Aber es soll ja hier nicht so aussehen, als würden hier lediglich getroffene Hunde bellen. Was also hat eine Schwertkampfvorführung auf einer solchen Tagung zu suchen?

Nun, zunächst einmal ganz praktisch und ganz grob aus den Büchern heraus geantwortet. Wie begegnen sich in GoT zwei Charaktere, wenn es nicht über Intrigen und nicht beim Sex ist?
Genau! Im Kampf.
Das sind zwar nicht immer Schwertkämpfe, aber es sind Kämpfe. Nun leben wir aber in einer Zeit, in der physische Auseinandersetzungen (zum Glück) sehr selten geworden sind. Allerdings sind es gerade Kämpfe auf Leben und Tod, die in einem literarischen Werk die Handlung sehr schnell vorantreiben. Ein Kampf dauert im Regelfall nur wenige Minuten. Sehr viel länger ist unwahrscheinlich, denn man glaube mir, nach fünf Minuten bräuchte man bereits dringend eine Pause.
Aber was passiert da eigentlich? In der Vorstellungskraft des heutigen Menschen ist das schwer, zu finden.
Nun erhebe ich wirklich nicht den Anspruch, wir hätten die perfekte Deutung des Ganzen geschaffen. Aber ich kann als Fechter ganz anders mit verschiedenen Begriffen umgehen.
Ein Beispiel wäre die in Büchern und Serie auftauchende Gegenüberstellung von "Rittertanz" und "Wassertanz". Nun ist es natürlich sehr sehr euphemistisch, bei etwas, das der möglichst schnellen Auslöschung meines Gegenübers dienen soll, von "Tanz" zu sprechen. Aber in gewissem Maße hat Martin damit ins Schwarze getroffen. Ein Tanz folgt festen Regeln, wenn ich sie nicht kenne, kann ich nicht mittanzen. Wenn ich die Regeln eines Kampfs nicht kenne, werde ich vermutlich nicht mal lange genug überleben, um zu begreifen, dass ein Kampf überhaupt Regeln hat.
Aber warum gibt es überhaupt den Rittertanz und den Wassertanz? Woher soll ich das wissen, wenn ich damit nie etwas zu tun hatte.
Für einen Menschen, der in einer solchen Umgebung aufwächst, so wie z.B. Arya Stark aus Game of Thrones ist diese Unterscheidung klar. Physische Auseinandersetzungen und selbst blutige Tode sind normal in dieser Welt, wie sich zum Beispiel an Sansa Starks Reaktion auf den gewaltsamen Tod von Ser Hugh vom grünen Tal ablesen lässt. Sie kreischt zwar auf, nimmt es aber ansonsten hin.
Wenn ich aber in der mehr oder minder berührungsfreien Welt der Moderne oder auch schon Postmoderne aufgewachsen bin, kann ich diesen Unterschied nicht kennen.
Wenn man dann aber den Unterschied tatsächlich einmal demonstriert bekommt, wenn man sieht, dass ein halbes Hemd, wie zum Beispiel meine Wenigkeit, einen deutlich größeren Gegner zumindest in Bedrängnis bringen kann, weil der "Wassertanz" die mangelnde Kraft ausgleicht, während ich bei den kraftvollen Wechselhieben des "Rittertanzes" eher mit dem Festhalten meiner eigenen Waffe ringe, dann kommt allmählich auch ein Verständnis dafür, wie sich die beiden Charaktere entwickeln.
Und es mag sein, dass mittelalterlicher Schwertkampf in der heutigen Zeit seltsam anmutet. Aber letzten Endes hat sich unser Körper seit dem Mittelalter nicht nennenswert verändert. Und wenn man die Bewegungen vom Schwert auf einen Regenschirm oder was auch immer an modernen Gegenständen zur Vefügung steht, überträgt, sind wir wieder up-to-date! Und damit letzten Endes auch wieder beim Verständnis angekommen.

Von daher sehe ich das Demonstrieren des Schwertkampfs auf einer solchen Tagung letzten Endes als Möglichkeit, Figuren und ihre Handlungen besser nachvollziehen zu können und damit auch die Symbolik letzten Endes mehr oder minder vollständig verstehen zu können. Von daher sind wir zwar auch Freaks, aber eben nicht nur.



Mittwoch, 30. September 2015

Quantität vs. Qualität? - oder: Quartals- oder Pegelschreiber, was ist besser?

Nun ist es noch ein Monat, bis wieder der kollektive, weltweite Wahnsinn, genannt NaNoWriMo ausbricht.
Wer nicht weiß, was man darunter zu verstehen hat, klicke sich durch die Seite nanowrimo.org und sollte da hinreichend Informationen finden. Die Kurzform: 50.000 Wörter sind in 30 Tagen, nämlich vom 1.11. bis zum 30.11. zu schreiben.

Das bedeutet, dass 1.667 Wörter am Tag geschrieben werden müssen. Das sind umgerechnet ungefähr 5- 6 Normseiten, je nachdem wie die Normseite gerechnet wird. Das ist Einiges, was da zu schreiben ist. Und irgendwo wird es nun sicher Menschen geben, die bezweifeln, dass man dabei noch Qualität bringen kann.

Und wieder gibt es darauf keine allgemeingültige Antwort, sondern es kommt sehr stark auf den Schreibenden an.

Zum einen gibt es zwei Arten von Schriftstellern. Es gibt die Art, die ich, der Einfachheit halber "Quartalsschreiber" nenne. Denn ja, Schreiben ist eine Sucht, also können wir es gerne auch so benamsen. Dieser schreibt nicht unbedingt in regelmäßigen Abständen, kann aber durchaus auf einmal extreme Wortmengen produzieren.

Und dann gibt es den "Pegelschreiber", der mehr oder minder konstant eine gewisse Menge an Wörtern fabriziert.

So und was heißt das nun?

Zunächst einmal gar nichts. Weder das eine, noch das andere sagt etwas über die Qualität des Geschriebenen aus.
Sinnentleertes Blah kann immer herauskommen, ebenso wie echte literarische Perlen.

Etwas anderes ist es natürlich, wenn man einen Berufsautor vor sich hat, der eine bestimmte Anzahl an Romanen verkaufen muss, um leben zu können. Dieser muss natürlich in einer bestimmten Zeit eine bestimmte Wortmenge schreiben können. Und da niemand einen Roman an einem Tag schreiben kann, ist es klar, dass dies auch bedeutet, dass der Berufsautor zumindest bis zu einem bestimmten Grad Pegelschreiber sein muss.

Ich schreibe nun schon ein paar Jährchen, von daher habe auch ich die Erfahrung gemacht, dass das Schreiben selbst bei einem einzelnen Autor unterschiedliche Formen annehmen kann. Es gibt Momente, da schreibt man wie im Rausch und es gibt Zeiten, da fragt man sich, ob man eigentlich das Alphabeth vergessen hat.
Es gibt Geschichten, die einen mit sich reißen, wie ein Wildwasser und es gibt Geschichten, da hat man eher das Gefühl, Treibholz in einem stehenden Gewässer zu sein.
Ob jetzt allerdings diese langsamen Phasen auch bessere Geschichten oder ausgefeiltere Formulierungen mit sich bringen, kann man so nicht sagen.

Ich habe schon Szenen, die so ziemlich das Beste sind, was ich bisher geschrieben habe, in atemlosem Tempo und einem Schreibrausch geschrieben und ich habe ähnliche Szenen mit einem Ausstoß von vielleicht 100 Wörtern am Tag zustande gebracht. Ich kann also nicht sagen, was besser ist, aber ich kann sagen, dass es auf den Autor ankommt, auf die Geschichte und auf das Tempo, das die Geschichte verlangt.

Ein Autor, der 10 Jahre und länger an seinem Opus Magnum arbeitet, beweist die gleiche Zähigkeit wie ein Autor, der in einem Jahr drei Romane durchfeuert.

Es gibt also kein "entweder-oder" oder ein Falsch oder Richtig. Es gibt nur das, was für den entsprechenden Autoren in dem Fall funktioniert. Wie so oft beim Schreiben.

Montag, 7. September 2015

Krisen, die keine sind, gegenderte Sprache, Respekt und die altbekannten Debatten

Eine Warnung vorweg: Das hier könnte ein Rant werden, es gibt da so ein paar Dinge, die mich stören. Auch als Autorin, aber vor allem als Mensch!

Als Angehörige der schreibenden Zunft beschäftige ich mich natürlich mit Sprache. Ich komme ja gar nicht darum herum, wenn ich den Charakter, aus dessen Sicht ich erzählen will, entsprechend darstellen mag. Wie man mit der Erzählstimme einen Charakter darstellt, darüber habe ich ja schon einmal gebloggt. Zum Blogartikel
Aber darum soll es heute nicht gehen, sondern um die Sprache als Alltagsinstrument, zum Transport von Informationen.
Sobald ich spreche oder schreibe gebe ich auch etwas über mich preis, das lässt sich nicht vermeiden. Mit den Worten, die ich wähle, zeige ich zum Beispiel meine Haltung.
Wenn ich von einem "Farbigen" spreche, stehe ich diesem anders gegenüber, als wenn ich von einem "Neger" oder gar einem "Nigger" spreche, auch wenn ich sonst an meinem Satz nichts ändere.
Und es gibt Worte, die mittlerweile einfach tabu sind, auch wenn sie früher nichts weiter als neutrale Worte waren. Sprache entwickelt sich und so entwickeln sich auch harmlose Worte mit der Zeit zu Schimpfworten oder eben davon weg.
Aber machen wir uns nichts vor: Die Sprache folgt gesellschaftlichen Entwicklungen, nicht anders herum.
Und genau deshalb geht mir das Gegendere auf Biegen und Brechen auf die Nerven. Wenn unsere Gesellschaft misogyn und männerdominiert ist, wird sich das nicht dadurch ändern, dass ich meine Geschäftsbriefe mit "Liebe Mitarbeitas" beginne. Wenn ich als Mann die Kollegin nicht respektiere, werde ich es auch dann nicht tun, wenn ich von "meiner Kollega" spreche, während ich meinen "Kollega", also den Mann weiterhin schätzen werde. Und auch wenn die Kollegin dann in der Sprache vielleicht eher repräsentiert ist, sie wird es merken, was ich von ihr halte, sie ist ja nicht dumm.
Das sind Nebenschauplätze, die vom eigentlichen Problem ablenken!
Ebenso wie etwas, das mir in letzter Zeit im Radio sehr stark aufgefallen ist. Als die Ersten davon brannten, sprachen viele Sprecher noch von "Flüchtlingsheimen". Jetzt wird eigentlich nur noch von "Asylbewerberunterkunft" gesprochen. Schön, wie vom eigentlichen Problem, dem braunen Pack, dem keiner Einhalt gebietet, abgelenkt wird.
Man kann mit solchen Kloppereien um die Sprache prima davon ablenken, dass das eigentliche Problem viel tiefer geht.
Deutschland braucht keinen erzwungenen Sprachwandel, nirgendwo, Deutschland braucht Akzeptanz. Egal ob es dabei um Frauen, um Asylbewerber, um nicht heterosexuelle Menschen oder um Ausländer geht.
Ich möchte am Arbeitsplatz nicht mit einem Kunstwort angesprochen werden, um mir nicht auf die Füße zu treten, ich möchte, dass die Kollegen  (damit sind selbstverständlich auch die Kolleginnen gemeint) sich darauf besinnen, wie man einem Menschen begegnet und mir genau so begegnen, dann ist es mir auch egal, wenn sie mich "Kollege" nennen!
 Gerade weil ich Autorin bin, sage ich das! So wie eine schöne Sprache einem Roman keine fehlende Handlung ersetzen kann, kann sie das im Alltag auch nicht!
Also lassen wir bitte das Herumhacken auf Nebenschauplätzen und wenden uns den eigentlichen Problemen zu! Und wer weiß, vielleicht gibt es dann eines Tages das große Erwachen, dass sich die "Probleme" der Nebenschauplätze erledigt haben.