Zugegeben, als Autorin treibe ich mich gerne in menschlichen Abgründen herum. Aber selbst wenn ich Wert auf Realismus in meinen Werken lege, bleiben es fiktive Werke. Aber gestern Abend musste ich feststellen, dass ich manchmal lieber nicht so realistisch geschrieben hätte.
Wie so mancher andere auch habe ich die Wahlergebnisse mit einer ziemlichen Fassungslosigkeit verfolgt und mich gefragt, was um alles in der Welt mit der Gesellschaft, in der ich lebe, kaputt ist.
Da ich gerade mit dem Lektorat meines dystopischen Debüt-Romans beschäftigt bin, ist der natürlich sehr präsent in meinen Gedanken.
Und während ich am Sonntagabend noch fassungslos auf den Bildschirm starrte, ertönte in meinem Kopf ein Stimmchen, das fragte: "Ist bei der Gesellschaft des Romans etwas anderes kaputt, als in der realen Gesellschaft?"
Und das führte dazu, dass ich am Sonntag das Lektorat weggelegt habe.
Weil ich die Frage mit "Nein" beantworten musste.
Auch in dieser Dystopie versuchen Menschen mit halbwegs anständigen Absichten etwas zu bewirken und sorgen dafür, dass die Gesellschaft arg in Mitleidenschaft gezogen wird.
Und das ist es, was mir Angst macht: Dass wohlmeinende, aber vom Status quo enttäuschte Menschen zu unkritisch sind und das Ganze zu einer Eskalation der Lage führt. Und ganz ehrlich: Diese Eskalation möchte ich nicht erleben!
Wenn ich oder auch andere, befreundete Autoren beim Lesen von Parteiprogrammen (ja, ich spiele auf die AfD an) Déjà-vu-Erlebnisse in Bezug auf ihre Dystopien haben, dann macht mir das Angst. Dystopien heißen ja nicht umsonst so.
Und so gerne ich auch Dystopien schreibe, erleben will ich sie wirklich nicht!
In diesem Roman habe ich Wert darauf gelegt, die Menschen nicht als Monster darzustellen, es sind Menschen, die im Großen und Ganzen nur das Beste wollen. Und deshalb bin ich gerade auch so betroffen. Feststellen zu müssen, dass freundliche, gebildete, hilfsbereite Menschen, kurz also Menschen, die man mögen möchte, sich als Mitglieder der AfD entpuppen, drängt einem den eigenen Roman mit dem Holzhammer auf. Wahrscheinlich habe ich gerade auch deshalb solche Angst, obwohl ich nicht der Mensch bin, der zu Zukunftsängsten neigt.
Aber ich gehöre in beiden, von mir ausgeübten Tätigkeiten, Gruppen an, die darauf angewiesen sind, sagen zu dürfen, was sie sagen wollen. Ich muss als Studentin der Sozialen Arbeit und dieses Jahr hoffentlich auch staatlich anerkannte Sozialarbeiterin auf Missstände aufmerksam machen dürfen, ebenso wie ich als Autorin einpacken kann, wenn gewisse Strömungen die Oberhand gewinnen.
In beiden Berufen bin ich auf unsere freiheitliche Gesellschaft angewiesen und auch als Person möchte ich sie behalten. Von daher hoffe ich, dass es bei einem Warnschuss und unangenehmen Déjà-vus bleibt!
Montag, 14. März 2016
Samstag, 20. Februar 2016
10 Dinge, die Flüchtlinge (in Deutschland) nicht müssen
1. Sich beschimpfen lassen, insbesondere nicht von einem braunen Mob, dem sie nie etwas getan haben.
2. Zulassen, dass man ihren Kindern Angst macht. Und ja, selbst wenn sie kein Deutsch können, Kinder verstehen, was gemeint ist, wenn man sie aufs Aggressivste anbrüllt.
3. Einschränkungen ihrer Würde akzeptieren. Dies gilt insbesondere bei Zuständen wie tagelangem Warten in der Kälte oder Polizeigewalt, bei der man die Polizei mal schnell aus dem Wort streichen muss.
4. Sich rechtfertigen, warum sie vor einem Krieg geflüchtet sind. Ernsthaft?! Warum werden sie das wohl getan haben?
5. Dankbar sein, dass sie bleiben dürfen. Hallo? Humanität? Schengen? Solidargemeinschaft? Muss ich wirklich weitermachen?
6. Für ihr Land kämpfen, anstatt zu fliehen. Sie haben sich ihre Herkunft so wenig ausgesucht, wie wir uns die Unsere verdient haben!
7. Beschimpfungen klaglos akzeptieren, ohne zurückzuschimpfen.
8. Jeglichen Zorn schlucken, damit sie immer freundlich sind.
9. Ihre Traumata an der Landesgrenze lassen, dass sie bitte pflegeleicht sind. Das sind Menschen! Menschen, die zum Teil Furchtbares erlebt haben. Wie gewisse Pöbler in der Situation reagieren würden, würde mich schon hin und wieder interessieren.
10. Schon Deutsch können, bevor sie kommen. Flüchtlinge sind, wie der Name schon sagt, vor irgendetwas Dringendem geflohen. Aber natürlich hätten sie das auch noch ein paar Jahre später tun können, wenn sie die ach so leicht zu lernende Sprache schon kennen.
Eigentlich müssen sie in Deutschland genau eine Sache:
Sich an unsere Gesetze halten.
Aber wenn ich ehrlich bin, habe ich in letzter Zeit weniger von Straftaten von Flüchtlingen, sondern vielmehr von Straftaten von der rechten Seite der Gesellschaft mitbekommen. Von daher mache ich mir da weniger Sorgen, als bei gewissen "besorgten Bürgern", die Sorge offenbar mit Hass gleichsetzen.
2. Zulassen, dass man ihren Kindern Angst macht. Und ja, selbst wenn sie kein Deutsch können, Kinder verstehen, was gemeint ist, wenn man sie aufs Aggressivste anbrüllt.
3. Einschränkungen ihrer Würde akzeptieren. Dies gilt insbesondere bei Zuständen wie tagelangem Warten in der Kälte oder Polizeigewalt, bei der man die Polizei mal schnell aus dem Wort streichen muss.
4. Sich rechtfertigen, warum sie vor einem Krieg geflüchtet sind. Ernsthaft?! Warum werden sie das wohl getan haben?
5. Dankbar sein, dass sie bleiben dürfen. Hallo? Humanität? Schengen? Solidargemeinschaft? Muss ich wirklich weitermachen?
6. Für ihr Land kämpfen, anstatt zu fliehen. Sie haben sich ihre Herkunft so wenig ausgesucht, wie wir uns die Unsere verdient haben!
7. Beschimpfungen klaglos akzeptieren, ohne zurückzuschimpfen.
8. Jeglichen Zorn schlucken, damit sie immer freundlich sind.
9. Ihre Traumata an der Landesgrenze lassen, dass sie bitte pflegeleicht sind. Das sind Menschen! Menschen, die zum Teil Furchtbares erlebt haben. Wie gewisse Pöbler in der Situation reagieren würden, würde mich schon hin und wieder interessieren.
10. Schon Deutsch können, bevor sie kommen. Flüchtlinge sind, wie der Name schon sagt, vor irgendetwas Dringendem geflohen. Aber natürlich hätten sie das auch noch ein paar Jahre später tun können, wenn sie die ach so leicht zu lernende Sprache schon kennen.
Eigentlich müssen sie in Deutschland genau eine Sache:
Sich an unsere Gesetze halten.
Aber wenn ich ehrlich bin, habe ich in letzter Zeit weniger von Straftaten von Flüchtlingen, sondern vielmehr von Straftaten von der rechten Seite der Gesellschaft mitbekommen. Von daher mache ich mir da weniger Sorgen, als bei gewissen "besorgten Bürgern", die Sorge offenbar mit Hass gleichsetzen.
Sonntag, 31. Januar 2016
Selbstverteidigung für die Heldin - Ein paar Beispiele
Natürlich können diese Tipps auch für Helden genutzt werden, nur ist in der Literatur die Frau meistens in der unterlegenen Position und die Biologie hat uns Frauen in mancher Hinsicht da leider auch ein bisschen benachteiligt. Im Übrigen hoffe ich natürlich, dass ihr, liebe Leserinnen und Leser, niemals in die Situation kommt, ein solches Wissen selbst zu brauchen, aber wenn doch, funktionieren diese Tipps natürlich auch für den vollkommen realen Menschen dieser Welt.
Bevor ich nun aber weiter fortfahre ein paar kleine Anmerkungen vorneweg:
Nein, ich bin keine Trainerin für Selbstverteidigung, ich kann keine Zertifikate oder Ähnliches vorweisen, aber ich beschäftige mich mittlerweile seit über einem Jahrzehnt mit Kampfsport und habe da so einige Erfahrungen auch in Bezug auf Selbstverteidigung gesammelt. Trotzdem erhebt diese Sammlung weder Anspruch auf Vollständigkeit (darüber könnte man mehr als nur ein Buch schreiben), noch auf perfekte Anwendbarkeit in allen Situationen, die ich schlicht nicht liefern kann.
Aber alles das, was ich hier schreibe hat einen Praxistest hinter sich und ich kann zumindest sagen, dass es bei mir funktioniert hat.
Weiterhin beschränke ich mich hier auf universal anwendbare Dinge, wo es mir als Autor egal sein kann, ob meine Heldin in der Steinzeit, im Mittelalter, im Weltraum oder in der Postapokalypse herumläuft.
Fangen wir mit den "harmloseren" Dingen an und steigern bis zu wirklich lebensbedrohlichen Situationen.
1. (Betrunkener) Typ legt einem den Arm um die Schultern
Blöde Situation. Zum einen ist noch nicht wirklich was passiert, was eine körperliche Reaktion selbst nach der Aufforderung, das bitte sein zu lassen, rechtfertigen würde (das gibt je nach Richter sogar noch Ärger für das Opfer), zum anderen möchte man es aber auch nicht so weit kommen lassen, dass etwas passiert und der Mann wäre in der Situation recht schnell in der Lage unangenehmer zu werden.
Was also tun?
Die erste Reaktion ist denkbar einfach: Den eigenen, dem Typen zugewandten Arm locker auf den Arm des anderen legen. Tut der Mann dann irgendetwas, bei dem man das Gefühl haben muss, die Situation wechselt von lästig zu gefährlich, ist der Arm schnell gestreckt und die eigene Hand landet unwillkürlich und je nach Schnelligkeit des Streckens auch ziemlich schmerzhaft, im Gesicht des Mannes. Wenn das nicht reicht, um ihn davon zu überzeugen, dass man wirklich kein Interesse daran hat, einen Drink mit ihm zu nehmen oder ähnliches, sind so die Finger auch sehr schnell in Reichweite von Augen und Nase und ein Stich in die Richtung wird für den anderen unangenehm sein.
Für eine Frau, die in dem Fall rechtliche Konsequenzen fürchten muss, hat das Ganze noch einen weiteren Vorteil. Der gestreckte Arm könnte ja auch einfach eine Schreckreaktion gewesen sein. Und Erschrecken dürfte auch bei den strengsten Regimen der Literatur nicht unbedingt mit Strafen geahndet werden.
2. Man wird von hinten gepackt
Selbst wenn das von Bekannten spaßig gemeint ist, kann das ein verdammt doofes Gefühl sein, wenn man von hinten umklammert wird.Ist das Ganze nicht spaßig gemeint, ist die Situation so noch sehr viel bedrohlicher, erstens sieht man seinen Angreifer so nicht, zweitens wirken Umklammerungen grundsätzlich bedrohlich.
Wobei es, vor allem wenn der Angreifer nicht damit rechnet, dass das Opfer sich wehrt, eine recht einfache Möglichkeit gibt, aus der Umklammerung zu entkommen, oder diese zumindest zu lockern. Dabei hat man die Schwerkraft als Verbündeten.
Man geht quasi in die Hocke. Aber nicht langsam, wie man das normalerweise täte, sondern in einer kurzen, explosiven Bewegung, so als wolle man seinen Oberkörper zum Boden hin beschleunigen.
Man rutscht so quasi unter den Armen der Angreifers durch und nutzt die Tatsache, dass man im Regelfall über Schultern und Brustkorb, also der breitesten Stelle des Oberköpers gepackt wird.
3. Man wird gegen die Wand gedrückt
Dies kann in unterschiedlichen Situationen geschehen, hat aber grundsätzlich erst einmal die gleiche Absicht: Das Opfer bewegungsunfähig zu machen.
Das berühmte "Knie zwischen die Beine" ist zwar effektiv, wenn es trifft, aber genau da ist auch das Problem: Diese Abwehr ist so bekannt, dass der Angreifer damit rechnen wird, dass Frau das versucht und das Knie ist leicht abzuwehren.
Allerdings ist weder Angreifer noch Opfer im Regelfall bekannt, dass man auch noch eine fünfte Extremität hät, selbst wenn die Arme in der einen oder anderen Haltung gegen die Wand gedrückt oder sonstwie festgehalten werden. Die fünfte Extremität ist in diesem Fall der Kopf. Die Stirnplatte ist einer der stabilsten Knochen, die der menschliche Körper so hat. Nicht gesund für den Angreifer, wenn man damit dessen Nase trifft. Je näher einem der Angreifer ist, also insbesondere bei versuchten Vergewaltigungen in dieser Haltung, je schmerzhafter kann man mit dem Kopf zuschlagen. Außerdem besteht auch die Möglichkeit, zu beißen, was bei Nase, Lippen, Zunge oder Ohren des Angreifers besonders schmerzhaft ist und im Regelfall dazu führt, dass der Angreifer zumindest kurz loslässt.
Das lässt sich übrigens auch im Liegen anwenden, wenn der Angreifer dumm genug ist, in Kopfstoßreichweite zu kommen.
4. Ein Schwert/Messer/sonstige Schnittwaffe wird einem von hinten an die Kehle gehalten
Ein Schwert oder ein sehr langes Messer ist dabei die Waffe, die am ungeschicktesten für den Angreifer ist. In diesem Falle greift man zunächst außen an den Griff die Waffe, also hinter der Hand des Angreifers. Damit hat man selbst den besseren Hebel und kann die Waffe vom eigenen Hals wegdrücken, im Falle eines Schwertes sogar durch den entsprechenden Ruck so, dass sie in der Schulter des Angreifers landet. Selbst wenn man dem Angreifer körperlich deutlich unterlegen ist, wird man diesen Hebel anwenden können, weil die Hebelverhältnisse da sehr viel ausgleichen.
Dann erfolgt ein kräftiger Kopfstoß nach hinten, der im Regelfall wieder im Gesicht des Angreifers landen wird.
Im Falle eines Messers oder einer ähnlichen kurzen Waffe greift man fest nach dem Handgelenk des Angreifers, ehe man ebenfalls einen Kopfstoß ausführt. Dies verhindert ein instinktives Zudrücken mit dem Messer.
Das funktioniert im Übrigen auch dann, wenn der Angreifer einen hochgehoben hat. Man muss nur darauf gefasst sein, dann eventuell fallen gelassen zu werden.
Was weiterhin wahrscheinlich noch interessant zu wissen ist, ist die Tatsache, dass Gelenkstellen immer Schwachstellen sind, also zum Beispiel ein Tritt in die Kniekehle auch einen körperlich deutlich Überlegenen ins Trudeln bringt.
Bevor ich nun aber weiter fortfahre ein paar kleine Anmerkungen vorneweg:
Nein, ich bin keine Trainerin für Selbstverteidigung, ich kann keine Zertifikate oder Ähnliches vorweisen, aber ich beschäftige mich mittlerweile seit über einem Jahrzehnt mit Kampfsport und habe da so einige Erfahrungen auch in Bezug auf Selbstverteidigung gesammelt. Trotzdem erhebt diese Sammlung weder Anspruch auf Vollständigkeit (darüber könnte man mehr als nur ein Buch schreiben), noch auf perfekte Anwendbarkeit in allen Situationen, die ich schlicht nicht liefern kann.
Aber alles das, was ich hier schreibe hat einen Praxistest hinter sich und ich kann zumindest sagen, dass es bei mir funktioniert hat.
Weiterhin beschränke ich mich hier auf universal anwendbare Dinge, wo es mir als Autor egal sein kann, ob meine Heldin in der Steinzeit, im Mittelalter, im Weltraum oder in der Postapokalypse herumläuft.
Fangen wir mit den "harmloseren" Dingen an und steigern bis zu wirklich lebensbedrohlichen Situationen.
1. (Betrunkener) Typ legt einem den Arm um die Schultern
Blöde Situation. Zum einen ist noch nicht wirklich was passiert, was eine körperliche Reaktion selbst nach der Aufforderung, das bitte sein zu lassen, rechtfertigen würde (das gibt je nach Richter sogar noch Ärger für das Opfer), zum anderen möchte man es aber auch nicht so weit kommen lassen, dass etwas passiert und der Mann wäre in der Situation recht schnell in der Lage unangenehmer zu werden.
Was also tun?
Die erste Reaktion ist denkbar einfach: Den eigenen, dem Typen zugewandten Arm locker auf den Arm des anderen legen. Tut der Mann dann irgendetwas, bei dem man das Gefühl haben muss, die Situation wechselt von lästig zu gefährlich, ist der Arm schnell gestreckt und die eigene Hand landet unwillkürlich und je nach Schnelligkeit des Streckens auch ziemlich schmerzhaft, im Gesicht des Mannes. Wenn das nicht reicht, um ihn davon zu überzeugen, dass man wirklich kein Interesse daran hat, einen Drink mit ihm zu nehmen oder ähnliches, sind so die Finger auch sehr schnell in Reichweite von Augen und Nase und ein Stich in die Richtung wird für den anderen unangenehm sein.
Für eine Frau, die in dem Fall rechtliche Konsequenzen fürchten muss, hat das Ganze noch einen weiteren Vorteil. Der gestreckte Arm könnte ja auch einfach eine Schreckreaktion gewesen sein. Und Erschrecken dürfte auch bei den strengsten Regimen der Literatur nicht unbedingt mit Strafen geahndet werden.
2. Man wird von hinten gepackt
Selbst wenn das von Bekannten spaßig gemeint ist, kann das ein verdammt doofes Gefühl sein, wenn man von hinten umklammert wird.Ist das Ganze nicht spaßig gemeint, ist die Situation so noch sehr viel bedrohlicher, erstens sieht man seinen Angreifer so nicht, zweitens wirken Umklammerungen grundsätzlich bedrohlich.
Wobei es, vor allem wenn der Angreifer nicht damit rechnet, dass das Opfer sich wehrt, eine recht einfache Möglichkeit gibt, aus der Umklammerung zu entkommen, oder diese zumindest zu lockern. Dabei hat man die Schwerkraft als Verbündeten.
Man geht quasi in die Hocke. Aber nicht langsam, wie man das normalerweise täte, sondern in einer kurzen, explosiven Bewegung, so als wolle man seinen Oberkörper zum Boden hin beschleunigen.
Man rutscht so quasi unter den Armen der Angreifers durch und nutzt die Tatsache, dass man im Regelfall über Schultern und Brustkorb, also der breitesten Stelle des Oberköpers gepackt wird.
3. Man wird gegen die Wand gedrückt
Dies kann in unterschiedlichen Situationen geschehen, hat aber grundsätzlich erst einmal die gleiche Absicht: Das Opfer bewegungsunfähig zu machen.
Das berühmte "Knie zwischen die Beine" ist zwar effektiv, wenn es trifft, aber genau da ist auch das Problem: Diese Abwehr ist so bekannt, dass der Angreifer damit rechnen wird, dass Frau das versucht und das Knie ist leicht abzuwehren.
Allerdings ist weder Angreifer noch Opfer im Regelfall bekannt, dass man auch noch eine fünfte Extremität hät, selbst wenn die Arme in der einen oder anderen Haltung gegen die Wand gedrückt oder sonstwie festgehalten werden. Die fünfte Extremität ist in diesem Fall der Kopf. Die Stirnplatte ist einer der stabilsten Knochen, die der menschliche Körper so hat. Nicht gesund für den Angreifer, wenn man damit dessen Nase trifft. Je näher einem der Angreifer ist, also insbesondere bei versuchten Vergewaltigungen in dieser Haltung, je schmerzhafter kann man mit dem Kopf zuschlagen. Außerdem besteht auch die Möglichkeit, zu beißen, was bei Nase, Lippen, Zunge oder Ohren des Angreifers besonders schmerzhaft ist und im Regelfall dazu führt, dass der Angreifer zumindest kurz loslässt.
Das lässt sich übrigens auch im Liegen anwenden, wenn der Angreifer dumm genug ist, in Kopfstoßreichweite zu kommen.
4. Ein Schwert/Messer/sonstige Schnittwaffe wird einem von hinten an die Kehle gehalten
Ein Schwert oder ein sehr langes Messer ist dabei die Waffe, die am ungeschicktesten für den Angreifer ist. In diesem Falle greift man zunächst außen an den Griff die Waffe, also hinter der Hand des Angreifers. Damit hat man selbst den besseren Hebel und kann die Waffe vom eigenen Hals wegdrücken, im Falle eines Schwertes sogar durch den entsprechenden Ruck so, dass sie in der Schulter des Angreifers landet. Selbst wenn man dem Angreifer körperlich deutlich unterlegen ist, wird man diesen Hebel anwenden können, weil die Hebelverhältnisse da sehr viel ausgleichen.
Dann erfolgt ein kräftiger Kopfstoß nach hinten, der im Regelfall wieder im Gesicht des Angreifers landen wird.
Im Falle eines Messers oder einer ähnlichen kurzen Waffe greift man fest nach dem Handgelenk des Angreifers, ehe man ebenfalls einen Kopfstoß ausführt. Dies verhindert ein instinktives Zudrücken mit dem Messer.
Das funktioniert im Übrigen auch dann, wenn der Angreifer einen hochgehoben hat. Man muss nur darauf gefasst sein, dann eventuell fallen gelassen zu werden.
Was weiterhin wahrscheinlich noch interessant zu wissen ist, ist die Tatsache, dass Gelenkstellen immer Schwachstellen sind, also zum Beispiel ein Tritt in die Kniekehle auch einen körperlich deutlich Überlegenen ins Trudeln bringt.
Dienstag, 5. Januar 2016
Aus aktuellem Anlass: Nebenschauplätze sind NICHT hilfreich!
Was in der Silvesternacht in Köln und offenbar auch in anderen deutschen Städten passiert ist, dürfte mittlerweile so ziemlich jeder mitbekommen haben.
Und Köln ist nicht sonderlich weit weg von dort, wo ich studiere. Ich bin eine junge Frau, die gelegentlich alleine unterwegs ist und dementsprechend hat mich der Vorfall in Köln natürlich geschockt und als jemand, der seine Freiheit schätzt und jegliche Tätlichkeiten in diese Richtung scharf verurteilt, auch verärgert.
Aber nicht nur wegen des Vorfalls oder vielmehr der Vorfälle insgesamt, wegen. Es kann nicht sein, dass negative Vorfälle dazu führen, dass die Presse scheinbar wahllos auf irgendwen einschlägt! Ja, auch Journalisten sind Menschen und ich gestehe jedem, insbesondere jeder Journalistin zu, dass dieses Geschehen sie verärgert. Aber es ist reichlich wenig zielführend, dann auf Feministinnen, Linke oder sonstige Bevölkerungsgruppen einzuschlagen, weil sie, aus welchem Grund auch immer, schweigen. Das verlagert nämlich die Aufmerksamkeit irgendwohin, wo sie nicht hingehört, weil das in diesem Moment gar nicht das eigentliche Problem ist.
Was in der Silvesternacht in Köln oder in anderen Städten geschahen, sind zunächst einmal Straftaten von heftigem Ausmaß und Täter, die scheinbar überhaupt keine Angst vor der Polizei oder auch dem Ärger der Gesellschaft haben.
Betrunken und offenbar aggressiv vorgehende Männer haben Frauen in die Enge getrieben und sexuell belästigt und ausgeraubt. Das ist das, was wir bisher wirklich wissen. Wenn die Polizei von "nordafrikanischem Aussehen" der Täter spricht, ist das ungefähr genau so zu werten, wie wenn sie bei der Fahnung nach einer Unfallflucht von einem weißen VW spricht. Es ist ein Merkmal des Tatverdächtigen und darf damit nicht aus falch verstandener PC zensiert werden. Es spielt jedoch keine Rolle, ob die Männer als Flüchtlinge oder sonst wie nach Deutschland kamen. Fakt ist lediglich, sie sind da, haben Straftaten begangen und müssen nun die Konsequenzen zu spüren bekommen, die ein solches Verhalten in Deutschland nun einmal nach sich zieht, egal wo sie nun wirklich herkommen.
Aber so wenig wie jemand bei einer Unfallflucht eines weißen VWs auf die Idee kommen würde, sämtliche VW-Fahrer als potentiell verkehrsgefährdend einzuschätzen, sollten wir das bei Menschen aus muslimisch geprägten Ländern tun. Menschen sind grundsätzlich in der Lage, ziemlich ungeheuerliche Dinge zu tun. Wer es unbedingt bewiesen haben möchte, recherchiere einmal über die Scheußlichkeiten, die die Römer, die Kreuzfahrer, die Conquistadoren und das Nazi-Regime so alles ausgebrütet haben. Vorausgesetzt, euch wird dabei nicht auf halbem Wege schlecht. Das waren jetzt übrigens alles Europäer! Unterschiedlicher Epochen zwar, aber ich bin bewusst in Europa geblieben.
Diskussionen, die versuchen, das Geschehen von dem eigentlichen Problem, nämlich dass so etwas in einem Land wie Deutschland gar nicht passieren dürfte, abzulenken sind also wenig nutzbringend, denn an der Fähigkeit des Menschen, seinen Mitmenschen Unaussprechliches anzutun, wird sich dadurch wenig ändern. Aber Bevölkerungsgruppen, die nichts getan haben und an den Vorfällen keine Schuld tragen, anzugreifen und sei es "nur" in der Presse ist für mich keine Meinungsfreiheit, sondern Wutbürgertum im Gewand des seriösen Journalismus. Und mal ehrlich, muss das sein?
Meinungsfreiheit ist in Deutschland noch gar nicht so lange gegeben. Muss man das wirklich so mit Füßen treten, indem man Wutbürgertum zur Meinungsbildung einsetzt und gewissen Strömungen, die sich genau dessen bedienen, die Türen öffnet?
Und Köln ist nicht sonderlich weit weg von dort, wo ich studiere. Ich bin eine junge Frau, die gelegentlich alleine unterwegs ist und dementsprechend hat mich der Vorfall in Köln natürlich geschockt und als jemand, der seine Freiheit schätzt und jegliche Tätlichkeiten in diese Richtung scharf verurteilt, auch verärgert.
Aber nicht nur wegen des Vorfalls oder vielmehr der Vorfälle insgesamt, wegen. Es kann nicht sein, dass negative Vorfälle dazu führen, dass die Presse scheinbar wahllos auf irgendwen einschlägt! Ja, auch Journalisten sind Menschen und ich gestehe jedem, insbesondere jeder Journalistin zu, dass dieses Geschehen sie verärgert. Aber es ist reichlich wenig zielführend, dann auf Feministinnen, Linke oder sonstige Bevölkerungsgruppen einzuschlagen, weil sie, aus welchem Grund auch immer, schweigen. Das verlagert nämlich die Aufmerksamkeit irgendwohin, wo sie nicht hingehört, weil das in diesem Moment gar nicht das eigentliche Problem ist.
Was in der Silvesternacht in Köln oder in anderen Städten geschahen, sind zunächst einmal Straftaten von heftigem Ausmaß und Täter, die scheinbar überhaupt keine Angst vor der Polizei oder auch dem Ärger der Gesellschaft haben.
Betrunken und offenbar aggressiv vorgehende Männer haben Frauen in die Enge getrieben und sexuell belästigt und ausgeraubt. Das ist das, was wir bisher wirklich wissen. Wenn die Polizei von "nordafrikanischem Aussehen" der Täter spricht, ist das ungefähr genau so zu werten, wie wenn sie bei der Fahnung nach einer Unfallflucht von einem weißen VW spricht. Es ist ein Merkmal des Tatverdächtigen und darf damit nicht aus falch verstandener PC zensiert werden. Es spielt jedoch keine Rolle, ob die Männer als Flüchtlinge oder sonst wie nach Deutschland kamen. Fakt ist lediglich, sie sind da, haben Straftaten begangen und müssen nun die Konsequenzen zu spüren bekommen, die ein solches Verhalten in Deutschland nun einmal nach sich zieht, egal wo sie nun wirklich herkommen.
Aber so wenig wie jemand bei einer Unfallflucht eines weißen VWs auf die Idee kommen würde, sämtliche VW-Fahrer als potentiell verkehrsgefährdend einzuschätzen, sollten wir das bei Menschen aus muslimisch geprägten Ländern tun. Menschen sind grundsätzlich in der Lage, ziemlich ungeheuerliche Dinge zu tun. Wer es unbedingt bewiesen haben möchte, recherchiere einmal über die Scheußlichkeiten, die die Römer, die Kreuzfahrer, die Conquistadoren und das Nazi-Regime so alles ausgebrütet haben. Vorausgesetzt, euch wird dabei nicht auf halbem Wege schlecht. Das waren jetzt übrigens alles Europäer! Unterschiedlicher Epochen zwar, aber ich bin bewusst in Europa geblieben.
Diskussionen, die versuchen, das Geschehen von dem eigentlichen Problem, nämlich dass so etwas in einem Land wie Deutschland gar nicht passieren dürfte, abzulenken sind also wenig nutzbringend, denn an der Fähigkeit des Menschen, seinen Mitmenschen Unaussprechliches anzutun, wird sich dadurch wenig ändern. Aber Bevölkerungsgruppen, die nichts getan haben und an den Vorfällen keine Schuld tragen, anzugreifen und sei es "nur" in der Presse ist für mich keine Meinungsfreiheit, sondern Wutbürgertum im Gewand des seriösen Journalismus. Und mal ehrlich, muss das sein?
Meinungsfreiheit ist in Deutschland noch gar nicht so lange gegeben. Muss man das wirklich so mit Füßen treten, indem man Wutbürgertum zur Meinungsbildung einsetzt und gewissen Strömungen, die sich genau dessen bedienen, die Türen öffnet?
Freitag, 30. Oktober 2015
Schwertkampfvorführungen auf einer Tagung und der literarische Anspruch der Fantasy
Wer mich kennt, weiß, dass ich auch noch ein paar Hobbies außerhalb des Schreibens pflege. Und eine ganz große Leidenschaft ist die Kampfkunst und dabei allem voran der mittelalterliche Schwertkampf.
Und dieses Hobby war es letzten Endes, das mich Anfang Oktober auf eine wissenschaftliche Tagung führte.
Genauer gesagt handelte es sich dabei um die Tagung "Winter is coming - kulturwissenschaftliche Perspektiven auf George R.R. Martins A Song of Ice and Fire/GoT" der Ludwig-Maximilians-Universität in München, die vom 9. bis zum 11. Oktober auf der Blutenburg in München stattfand.
Nun bin ich ja weder Literatur- noch Kulturwissenschaftlerin, sondern die Fakultät, an der ich studiere, sind die Sozialwissenschaften. Rein aus der wissenschaftlichen Perspektive heraus wäre ich also wahrscheinlich fehl am Platze gewesen. Aber da mein Trainer Germanist und Philosoph ist und zufällig eben auch Fechter, ergab es sich, dass er als Referent eingeladen wurde und meine Wenigkeit und ein weiterer Fechter aus meiner Trainingsgruppe als "Anschauungsmaterial" fungierten.
Nun mag man sich vielleicht tatsächlich auf den ersten Blick fragen, was eine Schwertkampfvorführung auf einer Tagung, die sich mit einem literarischen Werk beschäftigt, zu suchen hat. Und ich bin es gewohnt, dass unsere Gruppe merkwürdig beäugt wird, wenn wir trainieren. Ja, es ist sogar schon so weit gekommen, dass jemand die Polizei gerufen hat, weil "ein Irrer mit Schwert" auf dem Uni-Campus herumläuft.
Ich war also geistig dagegen gewappnet, als fachfremder Freak von den Tagungsteilnehmern nicht besonders ernstgenommen zu werden - und habe mich komplett getäuscht.
Meine Antworten bei der an den Vortrag folgenden Diskussion wurden genauso aufgenommen wie die meines Trainers und ich hatte nicht den Eindruck, dass jemand mich nicht ernstnahm. Ich muss mich also definitiv bei den vermeintlichen "Elfenbeinturmbewohnern" entschuldigen, da hatte ich Vorurteile, nicht anders herum!
Aufgrund von Hotelchaos und gesundheitlichen Problemen war es unserer Gruppe leider nicht möglich, viel von der Tagung mitzubekommen, aber das, was ich mitbekommen habe, straft definitiv einiges von dem Lüge, was in dem Artikel der Süddeutschen Zeitung über die Tagung geschrieben wurde.
Zitat aus dem Artikel: "Nicht nur, weil im Tagungssaal eine Ritterrüstung in der Ecke wacht und die Wände mit der Heraldik aus der Serie verziert sind, drängt sich der Eindruck auf, dass nicht alle Teilnehmer den kritischen Abstand zur Fiktion bewahren. Immerhin ist niemand als Ritter oder Ork verkleidet."
Also ich kann nicht behaupten, dass die Vorträge, die ich gehört habe, unkritisch gewesen wären. Lobeshymnen von fanatischen Fans hören sich anders an! Und ich, die ich aus den Sozialwissenschaften komme, wo die persönliche Verbundenheit dem Thema gegenüber geradezu vorausgesetzt wird, verstehe nicht, was das Problem daran sein sollte, wenn sich die Wissenschaftler auch auf privater Ebene für das Thema begeistern.
Aufschluss hierüber gibt auch die Überschrift des Artikels "Drachen und Zombies - streng wissenschaftlich". Hätte Herr Freund von der Süddeutschen Zeitung ein Fragezeichen an das Ende der Überrschrift gesetzt, wäre damit bereits der Inhalt des Artikels mehr oder minder zusammengefasst gewesen. Die Phantastik wird hier wieder einmal in die Ecke des Eskapismus und der Unterhaltungsliteratur für Jugendliche gedrängt.
Aber es soll ja hier nicht so aussehen, als würden hier lediglich getroffene Hunde bellen. Was also hat eine Schwertkampfvorführung auf einer solchen Tagung zu suchen?
Nun, zunächst einmal ganz praktisch und ganz grob aus den Büchern heraus geantwortet. Wie begegnen sich in GoT zwei Charaktere, wenn es nicht über Intrigen und nicht beim Sex ist?
Genau! Im Kampf.
Das sind zwar nicht immer Schwertkämpfe, aber es sind Kämpfe. Nun leben wir aber in einer Zeit, in der physische Auseinandersetzungen (zum Glück) sehr selten geworden sind. Allerdings sind es gerade Kämpfe auf Leben und Tod, die in einem literarischen Werk die Handlung sehr schnell vorantreiben. Ein Kampf dauert im Regelfall nur wenige Minuten. Sehr viel länger ist unwahrscheinlich, denn man glaube mir, nach fünf Minuten bräuchte man bereits dringend eine Pause.
Aber was passiert da eigentlich? In der Vorstellungskraft des heutigen Menschen ist das schwer, zu finden.
Nun erhebe ich wirklich nicht den Anspruch, wir hätten die perfekte Deutung des Ganzen geschaffen. Aber ich kann als Fechter ganz anders mit verschiedenen Begriffen umgehen.
Ein Beispiel wäre die in Büchern und Serie auftauchende Gegenüberstellung von "Rittertanz" und "Wassertanz". Nun ist es natürlich sehr sehr euphemistisch, bei etwas, das der möglichst schnellen Auslöschung meines Gegenübers dienen soll, von "Tanz" zu sprechen. Aber in gewissem Maße hat Martin damit ins Schwarze getroffen. Ein Tanz folgt festen Regeln, wenn ich sie nicht kenne, kann ich nicht mittanzen. Wenn ich die Regeln eines Kampfs nicht kenne, werde ich vermutlich nicht mal lange genug überleben, um zu begreifen, dass ein Kampf überhaupt Regeln hat.
Aber warum gibt es überhaupt den Rittertanz und den Wassertanz? Woher soll ich das wissen, wenn ich damit nie etwas zu tun hatte.
Für einen Menschen, der in einer solchen Umgebung aufwächst, so wie z.B. Arya Stark aus Game of Thrones ist diese Unterscheidung klar. Physische Auseinandersetzungen und selbst blutige Tode sind normal in dieser Welt, wie sich zum Beispiel an Sansa Starks Reaktion auf den gewaltsamen Tod von Ser Hugh vom grünen Tal ablesen lässt. Sie kreischt zwar auf, nimmt es aber ansonsten hin.
Wenn ich aber in der mehr oder minder berührungsfreien Welt der Moderne oder auch schon Postmoderne aufgewachsen bin, kann ich diesen Unterschied nicht kennen.
Wenn man dann aber den Unterschied tatsächlich einmal demonstriert bekommt, wenn man sieht, dass ein halbes Hemd, wie zum Beispiel meine Wenigkeit, einen deutlich größeren Gegner zumindest in Bedrängnis bringen kann, weil der "Wassertanz" die mangelnde Kraft ausgleicht, während ich bei den kraftvollen Wechselhieben des "Rittertanzes" eher mit dem Festhalten meiner eigenen Waffe ringe, dann kommt allmählich auch ein Verständnis dafür, wie sich die beiden Charaktere entwickeln.
Und es mag sein, dass mittelalterlicher Schwertkampf in der heutigen Zeit seltsam anmutet. Aber letzten Endes hat sich unser Körper seit dem Mittelalter nicht nennenswert verändert. Und wenn man die Bewegungen vom Schwert auf einen Regenschirm oder was auch immer an modernen Gegenständen zur Vefügung steht, überträgt, sind wir wieder up-to-date! Und damit letzten Endes auch wieder beim Verständnis angekommen.
Von daher sehe ich das Demonstrieren des Schwertkampfs auf einer solchen Tagung letzten Endes als Möglichkeit, Figuren und ihre Handlungen besser nachvollziehen zu können und damit auch die Symbolik letzten Endes mehr oder minder vollständig verstehen zu können. Von daher sind wir zwar auch Freaks, aber eben nicht nur.
Und dieses Hobby war es letzten Endes, das mich Anfang Oktober auf eine wissenschaftliche Tagung führte.
Genauer gesagt handelte es sich dabei um die Tagung "Winter is coming - kulturwissenschaftliche Perspektiven auf George R.R. Martins A Song of Ice and Fire/GoT" der Ludwig-Maximilians-Universität in München, die vom 9. bis zum 11. Oktober auf der Blutenburg in München stattfand.
Nun bin ich ja weder Literatur- noch Kulturwissenschaftlerin, sondern die Fakultät, an der ich studiere, sind die Sozialwissenschaften. Rein aus der wissenschaftlichen Perspektive heraus wäre ich also wahrscheinlich fehl am Platze gewesen. Aber da mein Trainer Germanist und Philosoph ist und zufällig eben auch Fechter, ergab es sich, dass er als Referent eingeladen wurde und meine Wenigkeit und ein weiterer Fechter aus meiner Trainingsgruppe als "Anschauungsmaterial" fungierten.
Nun mag man sich vielleicht tatsächlich auf den ersten Blick fragen, was eine Schwertkampfvorführung auf einer Tagung, die sich mit einem literarischen Werk beschäftigt, zu suchen hat. Und ich bin es gewohnt, dass unsere Gruppe merkwürdig beäugt wird, wenn wir trainieren. Ja, es ist sogar schon so weit gekommen, dass jemand die Polizei gerufen hat, weil "ein Irrer mit Schwert" auf dem Uni-Campus herumläuft.
Ich war also geistig dagegen gewappnet, als fachfremder Freak von den Tagungsteilnehmern nicht besonders ernstgenommen zu werden - und habe mich komplett getäuscht.
Meine Antworten bei der an den Vortrag folgenden Diskussion wurden genauso aufgenommen wie die meines Trainers und ich hatte nicht den Eindruck, dass jemand mich nicht ernstnahm. Ich muss mich also definitiv bei den vermeintlichen "Elfenbeinturmbewohnern" entschuldigen, da hatte ich Vorurteile, nicht anders herum!
Aufgrund von Hotelchaos und gesundheitlichen Problemen war es unserer Gruppe leider nicht möglich, viel von der Tagung mitzubekommen, aber das, was ich mitbekommen habe, straft definitiv einiges von dem Lüge, was in dem Artikel der Süddeutschen Zeitung über die Tagung geschrieben wurde.
Zitat aus dem Artikel: "Nicht nur, weil im Tagungssaal eine Ritterrüstung in der Ecke wacht und die Wände mit der Heraldik aus der Serie verziert sind, drängt sich der Eindruck auf, dass nicht alle Teilnehmer den kritischen Abstand zur Fiktion bewahren. Immerhin ist niemand als Ritter oder Ork verkleidet."
Also ich kann nicht behaupten, dass die Vorträge, die ich gehört habe, unkritisch gewesen wären. Lobeshymnen von fanatischen Fans hören sich anders an! Und ich, die ich aus den Sozialwissenschaften komme, wo die persönliche Verbundenheit dem Thema gegenüber geradezu vorausgesetzt wird, verstehe nicht, was das Problem daran sein sollte, wenn sich die Wissenschaftler auch auf privater Ebene für das Thema begeistern.
Aufschluss hierüber gibt auch die Überschrift des Artikels "Drachen und Zombies - streng wissenschaftlich". Hätte Herr Freund von der Süddeutschen Zeitung ein Fragezeichen an das Ende der Überrschrift gesetzt, wäre damit bereits der Inhalt des Artikels mehr oder minder zusammengefasst gewesen. Die Phantastik wird hier wieder einmal in die Ecke des Eskapismus und der Unterhaltungsliteratur für Jugendliche gedrängt.
Aber es soll ja hier nicht so aussehen, als würden hier lediglich getroffene Hunde bellen. Was also hat eine Schwertkampfvorführung auf einer solchen Tagung zu suchen?
Nun, zunächst einmal ganz praktisch und ganz grob aus den Büchern heraus geantwortet. Wie begegnen sich in GoT zwei Charaktere, wenn es nicht über Intrigen und nicht beim Sex ist?
Genau! Im Kampf.
Das sind zwar nicht immer Schwertkämpfe, aber es sind Kämpfe. Nun leben wir aber in einer Zeit, in der physische Auseinandersetzungen (zum Glück) sehr selten geworden sind. Allerdings sind es gerade Kämpfe auf Leben und Tod, die in einem literarischen Werk die Handlung sehr schnell vorantreiben. Ein Kampf dauert im Regelfall nur wenige Minuten. Sehr viel länger ist unwahrscheinlich, denn man glaube mir, nach fünf Minuten bräuchte man bereits dringend eine Pause.
Aber was passiert da eigentlich? In der Vorstellungskraft des heutigen Menschen ist das schwer, zu finden.
Nun erhebe ich wirklich nicht den Anspruch, wir hätten die perfekte Deutung des Ganzen geschaffen. Aber ich kann als Fechter ganz anders mit verschiedenen Begriffen umgehen.
Ein Beispiel wäre die in Büchern und Serie auftauchende Gegenüberstellung von "Rittertanz" und "Wassertanz". Nun ist es natürlich sehr sehr euphemistisch, bei etwas, das der möglichst schnellen Auslöschung meines Gegenübers dienen soll, von "Tanz" zu sprechen. Aber in gewissem Maße hat Martin damit ins Schwarze getroffen. Ein Tanz folgt festen Regeln, wenn ich sie nicht kenne, kann ich nicht mittanzen. Wenn ich die Regeln eines Kampfs nicht kenne, werde ich vermutlich nicht mal lange genug überleben, um zu begreifen, dass ein Kampf überhaupt Regeln hat.
Aber warum gibt es überhaupt den Rittertanz und den Wassertanz? Woher soll ich das wissen, wenn ich damit nie etwas zu tun hatte.
Für einen Menschen, der in einer solchen Umgebung aufwächst, so wie z.B. Arya Stark aus Game of Thrones ist diese Unterscheidung klar. Physische Auseinandersetzungen und selbst blutige Tode sind normal in dieser Welt, wie sich zum Beispiel an Sansa Starks Reaktion auf den gewaltsamen Tod von Ser Hugh vom grünen Tal ablesen lässt. Sie kreischt zwar auf, nimmt es aber ansonsten hin.
Wenn ich aber in der mehr oder minder berührungsfreien Welt der Moderne oder auch schon Postmoderne aufgewachsen bin, kann ich diesen Unterschied nicht kennen.
Wenn man dann aber den Unterschied tatsächlich einmal demonstriert bekommt, wenn man sieht, dass ein halbes Hemd, wie zum Beispiel meine Wenigkeit, einen deutlich größeren Gegner zumindest in Bedrängnis bringen kann, weil der "Wassertanz" die mangelnde Kraft ausgleicht, während ich bei den kraftvollen Wechselhieben des "Rittertanzes" eher mit dem Festhalten meiner eigenen Waffe ringe, dann kommt allmählich auch ein Verständnis dafür, wie sich die beiden Charaktere entwickeln.
Und es mag sein, dass mittelalterlicher Schwertkampf in der heutigen Zeit seltsam anmutet. Aber letzten Endes hat sich unser Körper seit dem Mittelalter nicht nennenswert verändert. Und wenn man die Bewegungen vom Schwert auf einen Regenschirm oder was auch immer an modernen Gegenständen zur Vefügung steht, überträgt, sind wir wieder up-to-date! Und damit letzten Endes auch wieder beim Verständnis angekommen.
Von daher sehe ich das Demonstrieren des Schwertkampfs auf einer solchen Tagung letzten Endes als Möglichkeit, Figuren und ihre Handlungen besser nachvollziehen zu können und damit auch die Symbolik letzten Endes mehr oder minder vollständig verstehen zu können. Von daher sind wir zwar auch Freaks, aber eben nicht nur.
Mittwoch, 30. September 2015
Quantität vs. Qualität? - oder: Quartals- oder Pegelschreiber, was ist besser?
Nun ist es noch ein Monat, bis wieder der kollektive, weltweite Wahnsinn, genannt NaNoWriMo ausbricht.
Wer nicht weiß, was man darunter zu verstehen hat, klicke sich durch die Seite nanowrimo.org und sollte da hinreichend Informationen finden. Die Kurzform: 50.000 Wörter sind in 30 Tagen, nämlich vom 1.11. bis zum 30.11. zu schreiben.
Das bedeutet, dass 1.667 Wörter am Tag geschrieben werden müssen. Das sind umgerechnet ungefähr 5- 6 Normseiten, je nachdem wie die Normseite gerechnet wird. Das ist Einiges, was da zu schreiben ist. Und irgendwo wird es nun sicher Menschen geben, die bezweifeln, dass man dabei noch Qualität bringen kann.
Und wieder gibt es darauf keine allgemeingültige Antwort, sondern es kommt sehr stark auf den Schreibenden an.
Zum einen gibt es zwei Arten von Schriftstellern. Es gibt die Art, die ich, der Einfachheit halber "Quartalsschreiber" nenne. Denn ja, Schreiben ist eine Sucht, also können wir es gerne auch so benamsen. Dieser schreibt nicht unbedingt in regelmäßigen Abständen, kann aber durchaus auf einmal extreme Wortmengen produzieren.
Und dann gibt es den "Pegelschreiber", der mehr oder minder konstant eine gewisse Menge an Wörtern fabriziert.
So und was heißt das nun?
Zunächst einmal gar nichts. Weder das eine, noch das andere sagt etwas über die Qualität des Geschriebenen aus.
Sinnentleertes Blah kann immer herauskommen, ebenso wie echte literarische Perlen.
Etwas anderes ist es natürlich, wenn man einen Berufsautor vor sich hat, der eine bestimmte Anzahl an Romanen verkaufen muss, um leben zu können. Dieser muss natürlich in einer bestimmten Zeit eine bestimmte Wortmenge schreiben können. Und da niemand einen Roman an einem Tag schreiben kann, ist es klar, dass dies auch bedeutet, dass der Berufsautor zumindest bis zu einem bestimmten Grad Pegelschreiber sein muss.
Ich schreibe nun schon ein paar Jährchen, von daher habe auch ich die Erfahrung gemacht, dass das Schreiben selbst bei einem einzelnen Autor unterschiedliche Formen annehmen kann. Es gibt Momente, da schreibt man wie im Rausch und es gibt Zeiten, da fragt man sich, ob man eigentlich das Alphabeth vergessen hat.
Es gibt Geschichten, die einen mit sich reißen, wie ein Wildwasser und es gibt Geschichten, da hat man eher das Gefühl, Treibholz in einem stehenden Gewässer zu sein.
Ob jetzt allerdings diese langsamen Phasen auch bessere Geschichten oder ausgefeiltere Formulierungen mit sich bringen, kann man so nicht sagen.
Ich habe schon Szenen, die so ziemlich das Beste sind, was ich bisher geschrieben habe, in atemlosem Tempo und einem Schreibrausch geschrieben und ich habe ähnliche Szenen mit einem Ausstoß von vielleicht 100 Wörtern am Tag zustande gebracht. Ich kann also nicht sagen, was besser ist, aber ich kann sagen, dass es auf den Autor ankommt, auf die Geschichte und auf das Tempo, das die Geschichte verlangt.
Ein Autor, der 10 Jahre und länger an seinem Opus Magnum arbeitet, beweist die gleiche Zähigkeit wie ein Autor, der in einem Jahr drei Romane durchfeuert.
Es gibt also kein "entweder-oder" oder ein Falsch oder Richtig. Es gibt nur das, was für den entsprechenden Autoren in dem Fall funktioniert. Wie so oft beim Schreiben.
Wer nicht weiß, was man darunter zu verstehen hat, klicke sich durch die Seite nanowrimo.org und sollte da hinreichend Informationen finden. Die Kurzform: 50.000 Wörter sind in 30 Tagen, nämlich vom 1.11. bis zum 30.11. zu schreiben.
Das bedeutet, dass 1.667 Wörter am Tag geschrieben werden müssen. Das sind umgerechnet ungefähr 5- 6 Normseiten, je nachdem wie die Normseite gerechnet wird. Das ist Einiges, was da zu schreiben ist. Und irgendwo wird es nun sicher Menschen geben, die bezweifeln, dass man dabei noch Qualität bringen kann.
Und wieder gibt es darauf keine allgemeingültige Antwort, sondern es kommt sehr stark auf den Schreibenden an.
Zum einen gibt es zwei Arten von Schriftstellern. Es gibt die Art, die ich, der Einfachheit halber "Quartalsschreiber" nenne. Denn ja, Schreiben ist eine Sucht, also können wir es gerne auch so benamsen. Dieser schreibt nicht unbedingt in regelmäßigen Abständen, kann aber durchaus auf einmal extreme Wortmengen produzieren.
Und dann gibt es den "Pegelschreiber", der mehr oder minder konstant eine gewisse Menge an Wörtern fabriziert.
So und was heißt das nun?
Zunächst einmal gar nichts. Weder das eine, noch das andere sagt etwas über die Qualität des Geschriebenen aus.
Sinnentleertes Blah kann immer herauskommen, ebenso wie echte literarische Perlen.
Etwas anderes ist es natürlich, wenn man einen Berufsautor vor sich hat, der eine bestimmte Anzahl an Romanen verkaufen muss, um leben zu können. Dieser muss natürlich in einer bestimmten Zeit eine bestimmte Wortmenge schreiben können. Und da niemand einen Roman an einem Tag schreiben kann, ist es klar, dass dies auch bedeutet, dass der Berufsautor zumindest bis zu einem bestimmten Grad Pegelschreiber sein muss.
Ich schreibe nun schon ein paar Jährchen, von daher habe auch ich die Erfahrung gemacht, dass das Schreiben selbst bei einem einzelnen Autor unterschiedliche Formen annehmen kann. Es gibt Momente, da schreibt man wie im Rausch und es gibt Zeiten, da fragt man sich, ob man eigentlich das Alphabeth vergessen hat.
Es gibt Geschichten, die einen mit sich reißen, wie ein Wildwasser und es gibt Geschichten, da hat man eher das Gefühl, Treibholz in einem stehenden Gewässer zu sein.
Ob jetzt allerdings diese langsamen Phasen auch bessere Geschichten oder ausgefeiltere Formulierungen mit sich bringen, kann man so nicht sagen.
Ich habe schon Szenen, die so ziemlich das Beste sind, was ich bisher geschrieben habe, in atemlosem Tempo und einem Schreibrausch geschrieben und ich habe ähnliche Szenen mit einem Ausstoß von vielleicht 100 Wörtern am Tag zustande gebracht. Ich kann also nicht sagen, was besser ist, aber ich kann sagen, dass es auf den Autor ankommt, auf die Geschichte und auf das Tempo, das die Geschichte verlangt.
Ein Autor, der 10 Jahre und länger an seinem Opus Magnum arbeitet, beweist die gleiche Zähigkeit wie ein Autor, der in einem Jahr drei Romane durchfeuert.
Es gibt also kein "entweder-oder" oder ein Falsch oder Richtig. Es gibt nur das, was für den entsprechenden Autoren in dem Fall funktioniert. Wie so oft beim Schreiben.
Montag, 7. September 2015
Krisen, die keine sind, gegenderte Sprache, Respekt und die altbekannten Debatten
Eine Warnung vorweg: Das hier könnte ein Rant werden, es gibt da so ein paar Dinge, die mich stören. Auch als Autorin, aber vor allem als Mensch!
Als Angehörige der schreibenden Zunft beschäftige ich mich natürlich mit Sprache. Ich komme ja gar nicht darum herum, wenn ich den Charakter, aus dessen Sicht ich erzählen will, entsprechend darstellen mag. Wie man mit der Erzählstimme einen Charakter darstellt, darüber habe ich ja schon einmal gebloggt. Zum Blogartikel
Aber darum soll es heute nicht gehen, sondern um die Sprache als Alltagsinstrument, zum Transport von Informationen.
Sobald ich spreche oder schreibe gebe ich auch etwas über mich preis, das lässt sich nicht vermeiden. Mit den Worten, die ich wähle, zeige ich zum Beispiel meine Haltung.
Wenn ich von einem "Farbigen" spreche, stehe ich diesem anders gegenüber, als wenn ich von einem "Neger" oder gar einem "Nigger" spreche, auch wenn ich sonst an meinem Satz nichts ändere.
Und es gibt Worte, die mittlerweile einfach tabu sind, auch wenn sie früher nichts weiter als neutrale Worte waren. Sprache entwickelt sich und so entwickeln sich auch harmlose Worte mit der Zeit zu Schimpfworten oder eben davon weg.
Aber machen wir uns nichts vor: Die Sprache folgt gesellschaftlichen Entwicklungen, nicht anders herum.
Und genau deshalb geht mir das Gegendere auf Biegen und Brechen auf die Nerven. Wenn unsere Gesellschaft misogyn und männerdominiert ist, wird sich das nicht dadurch ändern, dass ich meine Geschäftsbriefe mit "Liebe Mitarbeitas" beginne. Wenn ich als Mann die Kollegin nicht respektiere, werde ich es auch dann nicht tun, wenn ich von "meiner Kollega" spreche, während ich meinen "Kollega", also den Mann weiterhin schätzen werde. Und auch wenn die Kollegin dann in der Sprache vielleicht eher repräsentiert ist, sie wird es merken, was ich von ihr halte, sie ist ja nicht dumm.
Das sind Nebenschauplätze, die vom eigentlichen Problem ablenken!
Ebenso wie etwas, das mir in letzter Zeit im Radio sehr stark aufgefallen ist. Als die Ersten davon brannten, sprachen viele Sprecher noch von "Flüchtlingsheimen". Jetzt wird eigentlich nur noch von "Asylbewerberunterkunft" gesprochen. Schön, wie vom eigentlichen Problem, dem braunen Pack, dem keiner Einhalt gebietet, abgelenkt wird.
Man kann mit solchen Kloppereien um die Sprache prima davon ablenken, dass das eigentliche Problem viel tiefer geht.
Deutschland braucht keinen erzwungenen Sprachwandel, nirgendwo, Deutschland braucht Akzeptanz. Egal ob es dabei um Frauen, um Asylbewerber, um nicht heterosexuelle Menschen oder um Ausländer geht.
Ich möchte am Arbeitsplatz nicht mit einem Kunstwort angesprochen werden, um mir nicht auf die Füße zu treten, ich möchte, dass die Kollegen (damit sind selbstverständlich auch die Kolleginnen gemeint) sich darauf besinnen, wie man einem Menschen begegnet und mir genau so begegnen, dann ist es mir auch egal, wenn sie mich "Kollege" nennen!
Gerade weil ich Autorin bin, sage ich das! So wie eine schöne Sprache einem Roman keine fehlende Handlung ersetzen kann, kann sie das im Alltag auch nicht!
Also lassen wir bitte das Herumhacken auf Nebenschauplätzen und wenden uns den eigentlichen Problemen zu! Und wer weiß, vielleicht gibt es dann eines Tages das große Erwachen, dass sich die "Probleme" der Nebenschauplätze erledigt haben.
Als Angehörige der schreibenden Zunft beschäftige ich mich natürlich mit Sprache. Ich komme ja gar nicht darum herum, wenn ich den Charakter, aus dessen Sicht ich erzählen will, entsprechend darstellen mag. Wie man mit der Erzählstimme einen Charakter darstellt, darüber habe ich ja schon einmal gebloggt. Zum Blogartikel
Aber darum soll es heute nicht gehen, sondern um die Sprache als Alltagsinstrument, zum Transport von Informationen.
Sobald ich spreche oder schreibe gebe ich auch etwas über mich preis, das lässt sich nicht vermeiden. Mit den Worten, die ich wähle, zeige ich zum Beispiel meine Haltung.
Wenn ich von einem "Farbigen" spreche, stehe ich diesem anders gegenüber, als wenn ich von einem "Neger" oder gar einem "Nigger" spreche, auch wenn ich sonst an meinem Satz nichts ändere.
Und es gibt Worte, die mittlerweile einfach tabu sind, auch wenn sie früher nichts weiter als neutrale Worte waren. Sprache entwickelt sich und so entwickeln sich auch harmlose Worte mit der Zeit zu Schimpfworten oder eben davon weg.
Aber machen wir uns nichts vor: Die Sprache folgt gesellschaftlichen Entwicklungen, nicht anders herum.
Und genau deshalb geht mir das Gegendere auf Biegen und Brechen auf die Nerven. Wenn unsere Gesellschaft misogyn und männerdominiert ist, wird sich das nicht dadurch ändern, dass ich meine Geschäftsbriefe mit "Liebe Mitarbeitas" beginne. Wenn ich als Mann die Kollegin nicht respektiere, werde ich es auch dann nicht tun, wenn ich von "meiner Kollega" spreche, während ich meinen "Kollega", also den Mann weiterhin schätzen werde. Und auch wenn die Kollegin dann in der Sprache vielleicht eher repräsentiert ist, sie wird es merken, was ich von ihr halte, sie ist ja nicht dumm.
Das sind Nebenschauplätze, die vom eigentlichen Problem ablenken!
Ebenso wie etwas, das mir in letzter Zeit im Radio sehr stark aufgefallen ist. Als die Ersten davon brannten, sprachen viele Sprecher noch von "Flüchtlingsheimen". Jetzt wird eigentlich nur noch von "Asylbewerberunterkunft" gesprochen. Schön, wie vom eigentlichen Problem, dem braunen Pack, dem keiner Einhalt gebietet, abgelenkt wird.
Man kann mit solchen Kloppereien um die Sprache prima davon ablenken, dass das eigentliche Problem viel tiefer geht.
Deutschland braucht keinen erzwungenen Sprachwandel, nirgendwo, Deutschland braucht Akzeptanz. Egal ob es dabei um Frauen, um Asylbewerber, um nicht heterosexuelle Menschen oder um Ausländer geht.
Ich möchte am Arbeitsplatz nicht mit einem Kunstwort angesprochen werden, um mir nicht auf die Füße zu treten, ich möchte, dass die Kollegen (damit sind selbstverständlich auch die Kolleginnen gemeint) sich darauf besinnen, wie man einem Menschen begegnet und mir genau so begegnen, dann ist es mir auch egal, wenn sie mich "Kollege" nennen!
Gerade weil ich Autorin bin, sage ich das! So wie eine schöne Sprache einem Roman keine fehlende Handlung ersetzen kann, kann sie das im Alltag auch nicht!
Also lassen wir bitte das Herumhacken auf Nebenschauplätzen und wenden uns den eigentlichen Problemen zu! Und wer weiß, vielleicht gibt es dann eines Tages das große Erwachen, dass sich die "Probleme" der Nebenschauplätze erledigt haben.
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